Filmfest Augsburg 2001

15. Tage des unabhängigen Films
Mi. 28.11. - So. 02.12.2001

Iranisches Programm

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Zeit der trunkenen Pferde
Iran 2000, 79 Min., 35 mm, 1:1,66
R.: Bahman Ghobadi
D.: Rojin Yunesi, Mehdi Ekhtiardini, Ayub Ahmadi, Ameneh Ekhtiardini, u.a.

Fr. 30.11. um 18.00 Uhr im Mephisto

Aus dem winterlichen, die Leinwand füllenden Weiss stapfen ein sichtlich ermüdeter Junge und sein Pferd hervor.

Ein in iranisch Kurdistan lebender Junge ist unterwegs auf dem Schmugglerpfad nach Irak.

Einsamkeit und das Aufsichalleingestelltsein sind Bild geworden. Ajub hat zwei Schwestern und einen Bruder, aber keine Eltern mehr.

Die Mutter starb bei der Geburt der jüngsten Tochter und der Vater stirbt zu Beginn des Films wegen einer Tretmine aus dem irakisch-iranischen Krieg. Eines der Kinder, der fünfzehnjährige Mädi, ist schwer behindert und kann sich kaum bewegen. Das gibt Ajub Auftrieb und Ausdauer: Er will mit der Arbeit als Schmuggler seinem Bruder Mädi zur dringend notwendigen Operation verhelfen. Schliesslich gibt sich die ältere Schwester Roschin der Heirat mit einem Iraker hin, weil dieser verspricht, sich um Mädis Operation zu kümmern.

Doch Ajub und Roschin werden übers Ohr gehauen.

Vor dieser Konstellation erzählt der in Kurdistan aufgewachsene Filmautor Bahman Ghobadi, der mit dem Dokumentarfilm "Leben im Nebel" (Sendeghi dar meh) über dieselben Kinder mehrfach ausgezeichnet wurde, vom Überlebenskampf der Kurden und Kurdinnen: Ein flinkes und für einen Erstlingsspielfilm überraschend geschmeidiges Drama, für das Ghobadi am Filmfestival Cannes 2000 die Goldene Kamera erhielt.


"Eine Zeit für trunkene Pferde" führt uns das entbehrungsreiche Leben der Bergler weit expliziter vor Augen als andere iranische Filme, die im kurdischen Gebiet angesiedelt sind.

Der schäbige Alltag armer Leute kommt ungeschönt, gelegentlich dramatisch überhöht, oft auch in neorealistischer Präzision ins Bild.

Dies zeigt sich kurz nach Beginn des Films: Im staubigen Basar der Grossstadt suchen die Kinder nach Arbeit, packen für ein paar Heller Trinkgläser in Zeitungspapier ein oder lassen sich als Schleppesel für illegale Transporte anheuern. Zweifelsohne steht Bahman Ghobadis Film in der Tradition jener iranischen Filme, in denen sich die junge Generation für ein besseres Leben abmüht. Und es lassen sich weitere gleichnishafte Anspielungen ausmachen: Da ist die frostige Kälte, die die Pferde nur mit Alkohol durchstehen. Und das Tauwetter lässt, als wäre es eine Metapher auf den politischen Stau, auf sich warten. Bezeichnend auch, dass Ajubs älterer Bruder, der nach dem Tod der Eltern eigentlich das Familienoberhaupt wäre, wegen seiner Behinderung zur Untätigkeit verdammt ist.

Mädi, dessen Name ausgerechnet eine Kurzform von Mohammad ist, bleibt macht- und hilflos. Zum Glück aber kommen diese Andeutungen, die zu gesellschaftlichen Interpretationen einladen, unaufdringlich daher. Das lässt viel Freiraum für eine dramaturgisch zügige und in sich geschlossene Kinoerzählung. Ghobadi will keine Analyse der Ursachen vorlegen, die zum Elend der kurdischen Bergbevölkerung geführt haben. Vielmehr will er uns mit Ajubs Reise der Hoffnung emotional mitreissen.

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