Filmfest Augsburg 2001

15. Tage des unabhängigen Films
Mi. 28.11. - So. 02.12.2001

Iranisches Programm

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Süsse Agonie (Mäsa'eb-e schirin)
R.: Aliresa Dawudneschad
Iran 1999;
90 Min.
D.: Aliresa Dawudneschad, Mona Dawudneschad, Mohamed-Resa Dawudneschad

Fr. 30.11. um 20.00 Uhr im Thalia 2
So. 02.12. um 20.00 Uhr im Mephisto

Mit "Süsse Agonie" gewährt uns Aliresa Dawudneschad herzhaft vergnügliche Einblicke ins Familienleben, die für das iranische Filmschaffen erfrischend neu sind.

Schauplatz sind zwei benachbarte Einfamilienhäuser, in denen der Haussegen seit kurzem schief hängt, denn zwischen Resa und Mona ist die erotische Zuneigung erwacht. Den Eltern und Grosseltern passt dies gar nicht.

Die Struktur des Films entspricht einem Tagebuch, in dem eine Episode die andere jagt. Das Thema ist das Aufeinanderprallen von Lebenslust und Moralvorgaben, die die Sinneslust kanalisieren. Bei Vollmond schauen sich Resa und Mona über die verordnet grosse Distanz zwischen dem Balkon des einen Hauses und dem Vorgarten des anderen Hauses tief in die Augen.

In der Hand haben beide ein Schulheft, in dem sie eifrig blättern, denn schliesslich müssen sie einen Vorwand haben, sich nachts und oberndrein bei kühler Witterung draussen aufzuhalten. Oder Resa und Mona sitzen auf der Gartenschaukel und vergleichen die religiöse Heirat mit einem Kebab, bei dem verschiedene Fleischsorten auf einem Spiess zusammengesteckt werden, während sich zwischen den beiden ein Knabe langweilt, der aufpassen muss, dass sich nichts Unsittliches abspielt. Ebenso befreiend humorvoll sind die schneidend scharfen Konfrontationen zwischen der Jugend und den älteren Generationen. Da fuchtelt die Grossmutter mit ihrem langen Küchenmesser gefährlich vor Resas Nase herum, wenn Resa ihr ein paar Scheibchen an Freiheit abzuringen versucht.

Letztendlich hält Äliresa Däwudneschad mit dem Film, den er zusammen mit eigenen Familienangehörigen gedreht hat, seinen Landsleuten und den Sittenhütern einen Spiegel vor. Wie kein anderer iranischer Film vermittelt der mit frischen und frech satirischen Momenten gespickte "Süsse Agonie" ein authentisches Bild der iranischen Jugend, die das Risiko packt und Hand in Hand im Park spazieren geht. Detailreich und augenzwinkernd zeigt Däwudneschad, dass der menschliche Hunger nach Leben stärker ist als jedes politische oder religiöse Programm. Und die heftigen und lauten Auseinandersetzungen zwischen der Jugend und den sich an überalterte Verhaltensregeln klammernden Grosseltern und Eltern erinnern an Fellinis giftige Szenen am Küchentisch. Dazwischen schneidet Däwudneschad aber auch die Ratlosigkeit der iranischen Jugend angesichts der Frage, welcher Schleichweg ungehindert zum Ziel führt. Als wärs ein Dokumentarfilm, kommentiert Resa mit Blick in die laufende Kamera den Lauf der Dinge.

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