Filmfest Augsburg 2001

15. Tage des unabhängigen Films
Mi. 28.11. - So. 02.12.2001

Tschechisches Programm

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Der kleine Nimmersatt (Otesanek)
R.: Jan Svankmajer
2000 - Farbe;
125 Minuten;
Genre: Kinderhorror;

Do. 29.11. um 22.00 Uhr im Savoy 1
Fr. 30.11. um 22.00 Uhr im Savoy 1
Sa. 01.12 um 22.00 Uhr im Savoy 1

Das Ehepaar Horak wünscht sich sehnlichst ein Kind, doch die Natur verwehrt ihnen dieses Glück. Eines Tages bringt Herr Horak einen Holzstock mit nach Hause, dessen Aussehen ihn an ein kleines Kind erinnert. Nur ein klein wenig noch bearbeitet, fertig ist der Kleine. Durch den übermächtigen Wunsch und die Liebe von Frau Horakova zu diesem kunstvollem "Holzkind" wird dieses zum Leben erweckt.

Endlich hat das Ehepaar ein eigenes Kind! Doch das Glück ist nur von kurzer Dauer. Otik - so wird er genannt - ist ein Nimmersatt. Bald ist es den Horaks nicht mehr möglich, ihn satt zu bekommen. So sucht sich das selbst geschnitzte Kind seine Nahrung selbst -erst frisst es den Hauskater, später wird es gar zum Menschenfresser. Otik frisst den Postboten und eine Sozialarbeiterin. Vater Horak setzt sich über den Protest seine Frau hinweg, fesselt den "Fresser" und sperrt ihn in den Kartoffelkeller, um ihn dort verhungern zu lassen. Hier tritt das Nachbarmädchen Alzbeta (Elisabeth) in die Handlung ein. Sie ist die einzige, die über die Begebenheiten im Haus Bescheid weiß; warum die Menschen ringsherum plötzlich verschwinden, aber auch was weiter passieren wird, wie sich die Situation weiter entwickeln wird. Sie kennt nämlich das alte Volksmärchen vom Otesanek.

Lisbeth kümmert sich von nun an um den armen Otesanek und versichert ihm, ihn nicht verhungern zu lassen. Sie stiehlt zu Hause den Kühlschrank leer, opfert ihre ganzen Ersparnisse, doch es reicht nicht. Otesaneks Fresssucht wird immer schlimmer. Im Märchen nimmt es mit dem Nimmersatt ein schlimmes Ende; er frisst der Großmutter das Krautfeld leer, die ihn dafür mit der Feldhacke traktiert.

Diese Verletzung überlebt der Nimmersatt nicht. In Lisbeth erwachen Muttergefühle. Sie adoptiert den gefräßigen Otesanek und ist von nun an gewillt, für ihr Kind alles zu tun, damit ihm das böse "Märchenschicksal" erspart bleibt. In ihrer Verzweiflung führt sie ihm weitere Menschen zum Fraß zu, unter anderem auch seine Eltern, die Horaks, doch alles vergebens. Der einmal zum Leben erwachte alte Mythos strebt seinem unweigerlichen, schlimmen Ende zu. Kommentar des Regisseurs: Wie wir wissen, beruhen Volksmärchen auf althergebrachten Mythen. Welcher Mythos steckt in diesem Märchen? Ein kinderloses Ehepaar beugt sich nicht dem Schicksal, sondern trotzt der Natur.

Im wahrsten Sinne entreißen sie ihr das Geheimnis des Lebens. Dafür müssen später nicht nur sie, sondern auch andere unbeteiligte Personen bitter büßen. Wie wir also erkennen können, nähern wir uns unmittelbar dem grundlegenden Mythos der Zivilisation: dem Mythos von Adam und Eva oder, wenn Sie so wollen, dem Mythos vom Faust. Ich denke, dass, nach dem Enträtseln der menschlichen Gene, diese Mythen einen besonders aktuellen Stellenwert einnehmen.


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