 |
| Filmtage Augsburg
2002 |
 |
16.
Tage des unabhängigen Films/
Days of Independent Film:
24.11. - 30.11.2002 |
| Spielplan
- All or Nothing |
 |
Fr,
29.11.02, 21.00 Uhr, Savoy
So, 01.12.02, 17.00 Uhr, Thalia |
|
All or
Nothing
Beschreibung |
 |

Supermarkt-Kassiererin Penny und Taxifahrer Phil leben
am Rande des Existenzminimums in einer tristen Hochhaussiedlung
am Londoner Stadtrand.
Ihr Eheleben ist zur Routine geworden, ihre Liebe längst
vergangen. Die beiden erwachsenen Kinder wohnen immer
noch bei den Eltern auf engstem Raum: Tochter Rachel putzt
in einem Altenheim, Sohn Rory ist arbeitslos und kompensiert
seinen Frust durch Aggressivität.
Als Rory bei einer Rangelei zusammenbricht und ins Krankenhaus
eingeliefert wird, kommen Penny und Phil zur Besinnung
und scheinen sich langsam wieder näher zu kommen
-
"Auch in seinem neuesten Film bewährt sich Mike
Leighs Philosophie, die eigenen Erfahrungen und Gefühle
und das adäquate Figureninventar ins Zentrum der
Handlung zu stellen. Die wie immer lange, experimentierfreudige
Vorbereitung mit seinen Schauspielern eröffnet wahrhaftige,
anrührende Einblicke in die menschliche Seele. Eine
Familie, weiß Leigh, kann heutzutage, zumal wenn
man in einem Moloch wie London zu den Unterprivilegierten
zählt, im Alltag schnell zu einem Gefängnis
werden, in dem Sprache und Empfindsamkeit für diejenigen,
die einem eigentlich am nächsten stehen, abhanden
kommen.
Doch manchmal hält das Leben noch Überraschungen
bereit, auch für diejenigen, die das Hoffen längst
aufgegeben haben. Alles oder nichts haben darüber
entscheidet im Leben eben oft der Zufall. Mike Leighs
Schilderung der sozialen Verhältnisse ist nicht mehr
allein von Wut geprägt wie noch in Naked, sondern
freundlicher, komplexer und facettenreicher geworden.
Seine ganze Aufmerksamkeit gilt dem kleinen, alles entscheidenden
Detail." (Olivier Bombarda) |
All or
Nothing
Details |
 |
|
Nach "Secrets and Lies" präsentiert
der britische Soziodramen-Experte Mike Leigh erneut
ein grandios gespieltes Familiengemälde. Realistisch,
bewegend, traurig und komisch zugleich.
"Wahrhaftig" wäre wohl die trefflichste
Beschreibung für das Kino des Briten Mike Leigh.
Nach dem radikal düsteren "Naked" und
dem bitterkomischen Cannes-Gewinner "Secrets and
Lies" erzählt Leigh einmal mehr von den großen
Sorgen der kleinen Leute - und macht erneut großes
Kino daraus. Vorstadt-Tristesse in Sozialwohnungen,
Alkoholismus, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz,
ungewollte Schwangerschaft, Magersucht und Fettleibigkeit,
jugendliche Gewalttätigkeit und eine Ehe, deren
Liebe längst erloschen scheint - mit dieser Problem-Palette
ließe sich leicht eine ganze Staffel der "Lindenstraße"
füllen. Doch was hier so schwer nach Klischee und
Sozialpädagogen-Kitsch klingt, entpuppt sich bei
Leigh als erstaunlich lebensnah. Mehr noch: als ebenso
spannend wie bewegend.
Für den Taxifahrer Phil Bassett (Timothy Spall)
ist das Leben längst mehr Pflicht als Kür
geworden. Seiner Frau Penny, Kassiererin im Supermarkt,
hat er seit Jahren so wenig zu sagen wie sie ihm. Während
ihr fettleibiger Sohn die Zeit lieber nörgelnd
und apathisch vor dem Fernseher verbringt als nach einem
Job zu suchen, scheint für die pummelige Tochter
die sexuelle Belästigung eines älteren Kollegen
die einzige Form von Anerkennung zu sein. Mehr Frust
als Lust auch in der Nachbarschaft, sei es bei der alkoholkranken
Carol oder der jungen Donna, die von ihrem Macho-Freund
verprügelt wird.
Dann jedoch ändert sich plötzlich alles im
öden Alltagsgetriebe. Zum einen setzt sich bei
Phil eine überaus exzentrische Französin ins
Taxi, deren zickigen Bemerkungen über die Liebe
den armen Mann so sehr ins Grübeln bringen, dass
er kurzerhand sein Handy abschaltet, um spontan ans
Meer zu fahren und über das Leben nachzudenken.
Der zweite Einschnitt fällt noch dramatischer aus:
der feiste Rüpelsohn Rory erleidet einen Herzinfarkt
- ein Schicksalsschlag mit Folgen, denn die Krise wird
zum Auslöser für ein ganz neues Lebens- und
Liebesgefühl der Familie.
Einmal mehr erweist sich Mike Leigh als exzellenter
Beobachter, der unsentimental und ohne jeden Zynismus
seine Figuren souverän davor rettet, als holzschnittartige
Karikaturen zu verkommen. Wenn etwa die naive Tochter
beim Putzen einer Badewanne von ihrem älteren Kollegen
gierig angestarrt wird, genügen kleine Details,
um eine fast unheimliche Stimmung zu erzeugen. Ob die
Sache harmlos oder dramatisch ausgeht, wäre hier
gleichermaßen plausibel. Ganz ähnlich bei
der nächtlichen Verführung des lokalen Luders
durch einen kauzigen Teenager. Wie gewohnt setzt der
Regisseur auf das Improvisationstalent seiner Akteure,
mit denen er während der Proben gemeinsam das Drehbuch
entwickelt.
Auch dabei stimmt wieder jedes Detail, werden mit kleinen
Gesten und prägnanten Dialogen große Gefühle
glaubhaft und präzise dargestellt. Letztlich erweist
sich diese bewegende Lovestory in der Tristesse englischer
Sozialwohnungen fast schon als unfreiwilliges feelgood-movie:
im Vergleich zum unvergnügten Alltag dieser traurigen
Helden dürfte das Leben der meisten Zuschauer,
aller Probleme zum Trotz, wohl weitaus angenehmer ausfallen.
Dieter Oßwald
|
|
 |
All or
Nothing
Filmdaten |
 |
|
Land: Großbritannien/
Frankreich 2002
Format: 35mm
Länge: 128 Min.
Sprache: Englisch,
Original mit deutschen Untertiteln
Regie: Mike Leigh
Darsteller: Timothy
Spall, Leslie Manville, Alison Garland, James Corden,
Ruth Sheen, Marion Bailey, Paul Jesson, Sally Hawkins,
Helen Coker, Daniel Mays u.a.
|
All or
Nothing
Regie: Mike Leigh |
 |

Geboren 1943 in Brockett Hall, Hertfordshire. Studiert
Film und Theater, arbeitet als Schauspieler, Regisseur
und Bühnenbildner und verfasst sehr erfolgreich Stücke.
Ab 1971 dreht er Fernsehfilme. 1989 gründet er mit
Simon Channing-Williams die Produktionsfirma Thin Man
Films. In den 90er Jahren entstehen vor allem Kinofilme,
die wie Secrets and Lies (1996, Goldene Palme in Cannes)
vielfach ausgezeichnet werden.
All or Nothing (2002)
Topsy-Turvy (1999)
Career Girls (1997)
- alternativ Karriere Girls (1997) (Germany) [de]
Secrets & Lies (1996)
- alternativ Secrets et mensonges (1996) (France)
- alternativ Lügen & Geheimnisse (1996) (Germany)
[de]
Naked (1993)
- alternativ Mike Leigh's Naked (1993)
- alternativ Nackt (1994) (Germany) [de]
Two Mikes Don't Make a Wright (1992) (segment "Sense
of History, A")
Sense of History, A (1992) (TV)
Life Is Sweet (1990)
- alternativ Leben ist süß, Das (1992) (Germany)
[de]
High Hopes (1988)
- alternativ Hohe Erwartungen (1988) (West Germany) [de]
Short and Curlies, The (1987) (TV)
Four Days in July (1985) (TV)
Five Minute Films, The (1982) (TV)
Home Sweet Home (1982) (TV)
- alternativ Play for Today: Home Sweet Home (1982) (TV)
(UK: series title)
Meantime (1981) (TV)
Grown-Ups (1980) (TV)
- alternativ BBC2 Playhouse: Grown-Ups (1980) (TV) (UK:
series title)
Who's Who (1979) (TV)
- alternativ Play for Today: Who's Who (1979) (TV) (UK:
series title)
Abigail's Party (1977) (TV)
- alternativ Play for Today: Abigail's Party (1977) (TV)
(UK: series title)
Kiss of Death (1977) (TV)
- alternativ Play for Today: Kiss of Death (1977) (TV)
(UK: series title)
Knock for Knock (1976) (TV)
Nuts in May (1976) (TV)
- alternativ Play for Today: Nuts in May (1976) (TV) (UK:
series title)
Permissive Society, The (1975) (TV)
Hard Labour (1973) (TV)
- alternativ Play for Today: Hard Labour (1973) (TV) (UK:
series title)
Bleak Moments (1971)
- alternativ Loving Moments (1971)
"Play for Today" (1970) TV Series
"Wednesday Play, The" (1964) TV Series |
Downloads
16. Tage des unabhängigen Films: All
or Nothing
Filmbeschreibung im pdf-Format: [go]
Pressebild jpg-Format; 300 dpi; Farbe: [go]
Pressebild jpg-Format; 150 dpi; SW: [go] |
|
 |