|
Die Kanne Milch stellt der alte Mann auf die Bank vorm
Haus. Er setzt sich. Sein Schluckauf durchdringt als
einziger Ton die Sommerhitze im Dorf. In den Holzrillen
der Bank emsige Ameisen, auf der Armlehne ein Falter.
Hick, und die Bankfuge wippt. Hick, und die Steinplatte
tanzt. Hick, und die Milch schwappt. Sieht man jedes
Detail, wird das Landleben zum hektischen Großstadttreiben.
Nur stiller. Die Kamera sieht alles, die Struktur des
Schafspelzes oder der Schweineborsten, das Reifenprofil
im vollen Schwung des Fahrrades oder Maiglöckchen,
wie sie wachsen. Alles ist ein Mysterium, alles verbirgt
eine Geschichte, und alles hat einen Urwitz. Nur sehen
muss man können und Verbindungen herstellen.
Selten war ein Film so still, und selten so beredt in
seinen Bildern. Nichts Spektakuläres wird hier
vorgeführt, sondern nur das ganz einfache und täglich
wiederkehrende Landleben. Langweilig eigentlich, möchte
man meinen. Doch mit dem Auge dieser Kamera gesehen,
bekommt jedes Detail eine ungewohnte Dramatik, nicht
zuletzt auch durch eine enorme Fingerfertigkeit des
Kameramanns Gergely Pohárnok (Regie COKURKÉKSÉG,
Cottbus 1999), der Lösungen findet, die an Zauberei
grenzen. So erhalten die ganz kleinen Dinge hier eine
Bedeutung, die sie vorher wohl nicht hatten und auch
danach nie haben werden.
Eine entspannte Beiläufigkeit entsteht, die einen
doch in Atem hält und das Spektakuläre mit
der Gleichmut des Alltäglichen überdeckt.
Denn ganz nebenbei, unbemerkt, durch die Gardine gesehen
oder in Nebensächlichkeiten gepackt, entspinnt
sich tatsächlich eine Geschichte. Sie zu entdecken
sollte dem Zuschauer überlassen werden. Nur so
viel: auch in diesem Text liegen die Hinweise offen.
|