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"Als man mich vom NDR fragte, ob ich zu meinem
60. Geburtstag ein Selbstportrait drehen würde,
war ich sofort Feuer und Flamme. Wer könnte es
denn besser als ich? Schon mit 34 Jahren veröffentlichte
ich meine ersten Memoiren Sex und Karriere' und
schreibe seit meinem 17. Lebensjahr Tagebuch. Das Persönliche
öffentlich machen war eine wichtige Forderung in
meiner Schwulenpolitik. Nur dann lassen sich Vorurteile
ausräumen.
[...] Selbstdarsteller' ist mir oft vorgeworfen
worden, besonders nach dem Outing'. Natürlich
habe ich in 35 Jahren Arbeit in und mit den Medien gelernt,
mit der Öffentlichkeit zu arbeiten, aber als Transportmittel
für Inhalte.
Ich habe das Glück, dass ich seit Ende der 60er
Jahre immer wieder die Schwulenszene weltweit dokumentieren
durfte. Besonders in der Aidskrise habe ich 10 Jahre
intensiv mit vielen Filmen, Benefizveranstaltungen und
Aktionen mitgeholfen gegen Diskriminierung zu kämpfen,
in den USA und in Deutschland. Ich bin stolz, daß
ich eine kontroverse Person bin und in meinen fast 60
Filmen und unzähligen Fernsehauftritten genauso
viel Ablehnung wie Anerkennung erfahren habe. In einer
Zeit als Schwule sich nicht trauten, ihr Gesicht zu
zeigen, war ich einer der Wenigen, der sichtbar war
für Viele, die allein waren mit sich und ihren
Problemen.
[...] Die Vorurteile alten Schwulen gegenüber versuche
ich in diesem Film mit viel Humor zu wiederlegen. Ähnlich
wie meine vitale, leider verstorbene Freundin Lotti
Huber glaube ich, daß das Alter noch vieles zu
bieten hat. Ich werde noch lange nicht aufgeben, sondern
mit Spaß, viel Sex und der Lust an der Provokation
meine Umgebung an- und aufregen. Inzwischen bin ich
Professor, worüber ich mich immer wieder köstlich
amüsiere."
Rosa von Praunheim
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