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Filmtage Augsburg 2003

23. Augsburger Kinderfilmfest/
Augsburg Children´s Film Festival:
23. November - 30. November 2003


Wettbewerb 1

Filme für Kinder bis 10


Spielplan

... wird hier noch bekannt gegeben!

Tinke - Kleines starkes Mädchen
Ulvepigen Tinke
Little Big Girl
Regie: Morten Køhlert

Interview mit Morten Køhlert
geführt von Lutz Gräfe, Kinder- und Jugendfilmkorrespondenz

KJK: Warum machen Sie Filme?

Morton Køhlert: (lacht) Ja, warum mache ich Filme? (lacht) Ich weiß es wirklich nicht. Ich glaube, dass es reiner Zufall war, der mich zum Film brachte. Warum ist die Frage nur so schwer zu beantworten? Für mich ist Film eine der wichtigsten zeitgenössischen Kunstformen, wenn man Film Kunst nennen kann. Ich glaube nämlich auch, dass man das mit genau derselbe Haltung angehen kann, als wäre man Zimmermann. Für mich hat Film und Kino die größtmögliche Wirkung auf die größtmögliche Zahl von Menschen. Es ist ein sehr einflußreiches Kommunikationsmittel. Vorher war ich Musiker und habe Songtexte geschrieben und habe schon in der Schule Theater gemacht und später im Varieté. Und mir scheint es so, als hätte ich schon immer etwas mitzuteilen gehabt. Und heute mit 40 Jahren tue ich das mit meinen Filmen. Bis ich 25 war, habe ich Musik gemacht und dann aber gemerkt, dass ich das nie professionell würde machen können. Dann habe ich zwei Jahre lang als Journalist gearbeitet, musste aber feststellen, dass ich kein Journalist sein wollte. Ich wollte etwas erschaffen und nicht über die Schöpfungen anderer Leute schreiben. Ich wollte einfach nicht in einen Film oder ein Konzert gehen und mir dann eine Meinung bilden müssen. Dann ging ich zur Dänischen Filmschule und merkte, dass ich das maßlos interessant fand. Heute mache ich Filme, weil ich wohl in keinem anderen Bereich meinen Lebensunterhalt verdienen kann. Ich hab’s auch schon mit Werbung probiert, aber es hat einfach nicht funktioniert. Also muss ich einfach weiter Filme machen.

KJK: Ihr Film ist ja sehr assoziativ montiert; besonders im ersten Teil. Wie haben Sie den Schnitt gestaltet?

Morton Køhlert: Ich habe sehr lange überlegt, wer den Schnitt übernehmen sollte und war auch die ganze Zeit am Schneidetisch dabei. Anne Østerud kannte ich noch von der Filmschule und sie hatte zuvor bei einigen erfolgreichen zeitgenössischen dänischen Filmen den Schnitt besorgt. Sie war übrigens auch mal Musikerin. Meiner Ansicht nach ist in ihrer Arbeitsweise viel Rhythmus, viel Musik zu spüren. Darum wollte ich unbedingt sie als Cutterin. Und dann wurde sie schwer krank und wir mussten für ein paar Wochen jemand anderen einstellen. Das war dann Janus Billeskov Jansen, der langjährige Cutter von Bille August. Er hat in meinen Augen eine sehr viel konventionellere Arbeitsweise. Er hat den zweiten Teil fast ausschließlich allein geschnitten und darum wirkt das auch anders. Aber die zwei kennen sich gut und sie hat ihn mir empfohlen. Das Schlüsselwort war Sinnlichkeit und ich wollte versuchen, das Gefühl zu erzeugen, dass man wirklich dort unter den Menschen war, als „nur“ die Geschichte voranzutreiben. Ich wollte den Geruch, die Angst, den Regen und die Gefühle zeigen und versuchte mich stärker auf die Figuren und weniger auf die Geschichte zu fokussieren.

KJK: Szenen, wie die, in der die Kinder einander das erste Mal begegnen und wir mit Tinke aus dieser Höhle heraus schauen, wirken ja sehr modern.

Morton Køhlert: Ja, da habe ich auch besonders drauf geachtet. Ich glaube, dass wir vor allem in Dänemark ein Problem mit historischen Filmen haben. Wir neigen dann dazu sehr langsam, ja langweilig zu werden. Als ob wir immer zu beweisen versuchen, wie clever wir beim Bau der Kulissen waren. Natürlich mussten wir uns einigen, wann der Film genau spielt also 1850. Und natürlich sollten sie 1850 so gut und so clever wie möglich rekonstruieren. Aber danach wollte ich damit so umgehen, wie es mir richtig erschien und wie ich es wollte. Man muß mit Kulissen so umgehen wie Martin Scorsese das in „Mean Streets / Hexenkessel“ mit Little Italy getan hat. Er kennt die Gegend sehr gut und dreht dort seinen Film, konzentriert sich auf die Figuren und nicht auf die Kulissen. Klar spielt es da, aber wir erzählen eine Geschichte, die sich dort abspielt. Dabei ist schwer zu vermeiden, dass man langsam wird. Ich sprach mit einem befreundeten Kollegen, der zur selben Zeit ebenfalls einen historischen Film drehte. Wir hatten genau dieselben Probleme. Als ob der Film aus sich heraus auf die traditionelle Weise gemacht werden wollte und wir dagegen ankämpfen mussten. So haben wir versucht uns beim Drehen von modernen TV-Serien inspirieren zu lassen.

KJK: Sie haben den Film chronologisch gedreht. Warum?

Morton Køhlert: Weil das für alle am besten ist: Für mich, für die Kinder und weil es einfach Spaß macht. Es hilft auch bei einigen Problemen, die man etwa beim Drehen in der freien Natur bekommt.

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Kontaktinformationen

Falls Sie Interesse an Schulvorstellungen oder Sondervorstellungen haben:


Filmbüro Augsburg
Frau Ellen Gratza

Schroeckstr. 8
D-86152 Augsburg

Tel.: 0821 / 15 30 78
Fax.: 0821 / 15 55 18

e-mail:
filmbuero@t-online.de

Wir helfen Ihnen gerne weiter!


Das
dänische Filmplakat!

KJK: Wie haben Sie die Hauptdarstellerin Sarah Juel Werner gefunden? Denn schließlich ist es ihr Film; sie trägt ihn fast alleine.

Morton Køhlert: Ja, das stimmt und ich wusste vorher, dass es genauso so sein würde. Ich habe über eine Casting-Agentin nach ihr gesucht und dabei 1200 bis 1400 Mädchen und 600 Jungen gesichtet. Ich suchte genau die eine, die passt. Das Problem dabei ist jedoch, dass keine passt, keine passen kann.
Es braucht seine Zeit, bis man das als Regisseur erkennt. Man muss vielmehr nach jemand mit Talent suchen als sich auf die Suche nach jemand zu begeben, den es einfach nicht gibt. Eigentlich habe ich das wohl die ganze Zeit gewusst, aber wie beim Filmschnitt muss man bestimmte Phasen durchleben, bis man dahin kommt. Sarah war schon ganz am Anfang unter den ersten Kandidaten. Mir fiel sie gar nicht auf, der Agentin aber schon und so kam sie in die zweite Runde. Da habe ich sie dann wohl aussortiert und wir suchten drei, vier Wochen weiter. Also brachte die Agentin sie wieder ins Spiel und wir riefen sie an und nachdem wir vorher nein gesagt hatten, meinte sie, sie wolle es sich überlegen, Klar, wir hatten ja noch nicht mal zugesagt sonder sie nur um ein erneutes Vorsprechen gebeten. Sie kam dann doch und ich habe die ganze Zeit an ihr gezweifelt. Aber nur, wenn ich sie traf. Wenn ich ihre Aufnahmen gesehen habe, war sofort klar, dass sie etwas hatte. Mir war sie zu schüchtern und außerdem hatte ich immer das Gefühl, sie sei großartig, wenn man jemand haben wollte, der dem das Publikum leid tun sollte. Aber die Stärke, die Tinke haben sollte, war einfach nicht da. Und ich glaube auch, dass wir diese Stärke in ihr mit aufgebaut haben. Das hat sie dann doch etwas verwirrt, denn sie war wirklich ein nettes Mäddchen.
Ihre Eltern hatten sich gerade erst scheiden lassen und sie war die fürsorgliche große Schwester für ihren kleinen Bruder. Sie war ganz anders als Tinke, kein Wolf. Sie war zurückhaltend, immer nett. Entweder mussten wir das in ihr finden oder es erzeugen. Ich glaube aber schon, dass die Stärke, die man im Film sieht, in ihr ist. Die kann man einfach nicht vorgaukeln, die muss man haben. Ich glaube sie hatte ein wenig Angst, so rebellisch zu sein. Das ist, als ob man einen Schauspieler bittet, sich auszuziehen. Man ist dann völlig nackt. Ich bat dann die Casting-Agentin, beim Film als Betreuerin zu arbeiten. So waren wir eine Art Familie: Sie, ich und die beiden Kinder

KJK: War es eigentlich schwierig, einen Darsteller für Laurus zu finden? Denn der muss ja älter sein und einen Jungen spielen, der von einem jüngeren Mädchen dominiert wird.

Morton Køhlert: Dafür braucht man wohl eine Menge Mut. Peter Jeppe Hansen hat diesen Mut. Er kam gerade in ddie Pubertät so zwischen 12 und 13, wurde zum Teenager. So wurde es für ihn immer schwerer, diese Figur zu spielen.

KJK: Als sie Szene gedreht haben, in der die Mutter stirbt, haben sie alle am Set um vollständige Ruhe gebeten, die Crew auf ein Minimum reduziert und das Set abgedunkelt. Das erinnert mich an Vorbereitungen zu einer Sexszene.

Morton Køhlert: Ganz richtig, und meiner Meinung nach ist es genau das Gleiche. Ich glaube, als wir die Szene vorbereitet haben, wusste niemand, was wir da eigentlich taten. Ich meine auch, dass die Tränen gar nicht Drehbuch standen. So glaubte jeder, dass die Mutter der Tochter nur das Halsband geben sollte. Doch als wir die Szene probten, fiel mir auf, dass diese Szene etwas sehr authentisches hat, wenn die Mutter das Kind in einem Atemzug trösten und zugleich wegschicken will. Und wenn du ein Kind bist, nur Vater und Mutter hast, dein Vater aber tot ist und deine Mutter im Sterben liegt und versucht dich wegzustoßen, glaube ich kein Kind würde gehen sondern jedes würde versuchen zu bleiben. Da erkannten wir, dass das eine hochemotionale Szene ist und die Atmosphäre am Set war sehr gespannt. Alles war ruhig und beim Dreh haben alle geweint. Wir haben die Einstellung 13 Mal gedreht und ich habe mir alle angesehen und ich hätte einfach jeden davon nehmen können. Da saßen dann draußen fünf gestandene Männer auf einer Bank, sahen die Szene auf dem Monitor und weinten; so intensiv war das. Da hatten wir wirklich das Gefühl, etwas erschaffen zu haben, das alle berührte. Insofern haben Sie völlig recht. Es war wie bei einem Pornodreh in den 70ern, wo sich alle am Set ausgezogen haben. Hier haben alle geweint, weil es jeden berührt hat.

KJK: Arbeiten Sie schon an einem neuen Projekt.

Morton Køhlert: Ja und zwar an einer Tragödie. Ich komme vom Land und habe meine Kindheit auf einem kleinen Dorf verbracht. Ich würde gern die Geschichte von drei Männern von Mitte 40 erzählen, die schon seit der Schule befreundet sind. Eine klassische Dreiecksgeschichte, nur mit drei Männern. Ich möchte gerne von ihrem wirklich merkwürdigen Leben auf dem Dorf erzählen, das zwar nichts mit Geld und Erfolg zu tun hat, aber dennoch ein gutes Leben ist. Sie sind dicke Freunde, haben glückliche Familien und zum Geburtstag des einen kommt das ganze Dorf ins Festzelt und am nächsten Morgen gehen sie um sechs Uhr morgen noch nicht ganz nüchtern auf die Jagd. Dann finden sie im Wald eine Menge Geld und wollen erst direkt zur Polizei gehen. Doch dann denken sie drüber nach und versuchen, das Geld zu behalten und nach einer Wartezeit von sechs Monaten zu verwenden.

KJK: Klingt irgendwie nach „A Simple Plan“

Morton Køhlert: Stimmt, und als dieser Film und dann auch noch „Lang lebe Ned Divine“ ins Kino kam, habe ich das Buch zurückgestellt. Ich wollte einfach nicht den dritten ähnlichen Film in einem Jahr machen. Also müssen wir es jetzt anders anpacken, die Story anders erzählen uns auf die Figuren und ihre Freundschaft konzentrieren. Nicht so, wie all die bittersüßen Komödien, die das dänische Kino der letzten Zeit bestimmt haben: „Flickering Lights“ „Kleine Missgeschicke“ etc.

KJK: Was wäre ihr Traumprojekt?

Morton Køhlert: Mein nächster Film. Und ich würde ihn genauso machen, wie ich es gerade erzählt habe.

Herr Køhlert, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Lutz Gräfe und der Kinder-und Jugendfilmkorrespondenz.

Internet:
http://www.kjk-muenchen.de >> weiter

 


13. Internationales Symposium Kino von Morgen Augsburg 22. Augsburger Kinderfilmfest 12. Kurzfilmwochenende Augsburg 17. tage des unabhängigen Films