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Filmtage Augsburg 2003

17. Tage des unabhängigen Films/
Days of Independent Film:
24. November - 30. November 2003

Focus Iran:
At Five in the Afternoon
In Cannes ausgezeichnet- Der erste Film über Afghanistan nach dem Fall der Taliban

>> ZU SEHEN AM
Fr, 28.11. - 17.00 Uhr im Thalia


Kabul, Afghanistan. Der fromme, alte Kutscher (Abdolgani Yousefranzi) sucht für seine kleine Familie einen neuen Unterschlupf in der zerbombten Stadt. Seine Tochter Noqreh (Agheleh Rezaie) träumt von einem neuen, freien Afghanistan und möchte mit Hilfe eines Dichters (Razi Mohebi) Präsidentin werden. Die Schwiegertochter des Kutschers (Marzieh Amiri) hingegen wartet noch immer mit ihren kranken Baby auf ihren Mann, der seit dem Krieg verschollen ist.Die Familie zieht von Unterkunft zu Unterkunft, ohne Geld für Medikamente und Essen. Schlechter könnte die Lage nicht sein - Irrtum.In Cannes hoch ausgezeichnet- Der erste Film aus Afghanistan nach dem Fall der Taliban.


Stunde Null in Afghanistan

„Nachmittags um fünf“ (Pandsch-e asr) von Samira Machmalbaf

Hinter einem Hügel der mit Schottersteinen übersäten afghanischen Steppenlandschaft steigen zwei Frauen und ein Pferd hoch. Eine flüsternde Frauenstimme zitiert Federico Garcia Lorcas Gedicht vom Tod des Stiers um fünf Uhr nachmittags. Wenig später treffen sie in Kabul ein. Am Ende des Films (Preis der Internationalen Jury und der ökumenischen Jury in Cannes 2003) wird sich der Kreis schliessen, wenn Noqreh und Leilomah hinter einem weiteren öden Hügel dem Blick der iranischen Filmautorin Samira Machmalbaf entschwinden und dem alten Afghanistan den Rücken kehren.

Dazwischen reihen sich Episoden in Kabul, die Samira Machmalbaf in einer Ästhetisierung des Alltags zu überhöhen versucht. Wie unzählige andere Flüchtlinge finden auch Noqreh, Leilomah und Noqrehs Vater, ein alter Mann mit weissem Bart, vorübergehend Unterschlupf. Mal hausen die Obdachlosen in einem Flugzeugwrack, mal im völlig zerbombten Parlamentsgebäude, das vom verlorenen Stolz Afghanistans zeugt.

Das Thema von Samira Machmalbafs drittem Spielfilm ist die Stunde Null in der afghanischen Gesellschaft. Jener Moment, in dem sich die Menschen entscheiden müssen, ob sie den Weg der traditionellen muslimischen Ordnung und Moral gehen wollen oder jenen eines aufgeschlossenen Islams. Für Samira Machmalbaf sind die Positionen gesetzt: Die drei Hauptfiguren ihres Films verkörpern Überzeugungen und Alltagserfahrungen. Für Zwischentöne, Verunsicherungen oder gar einen intellektuellen Bruch bleibt kein Platz.

Der alte Bärtige beklagt in seinen Monologen mit dem Pferd die Blasphemie, die Stadt und Land überrollt habe, und steht für die bedächtigen, aber unverrückbaren Traditionalisten. Seine Tochter, Noqreh, verkörpert die moderne afghanische Frau, wie wir sie uns im Westen vorstellen oder wünschen: Selbstbewusst und furchtlos. Weil ihr der Vater den Besuch einer weltlichen Schule verboten hat, muss sie sich jeden Tag aus der Koranschule stehlen, krempelt vor der Tür die Burkha hoch, schlüpft in adrette hochhakige Schuhe und begibt sich auf den Weg der Selbstfindung. Ihr Vorbild ist Benazir Bhutto, ihr Ziel, die erste Präsidentin Afghanistans zu werden. Zwischen diesen beiden Positionen steht Noqrehs duldsame Schwägerin Leilomah, die mit sterbendem Kind auf dem Arm das Leiden an sich verkörpert. Unerschütterlich und lethargisch zugleich hofft sie, ihr verschollener Mann werde zurückkehren, und will nicht wahrhaben, dass ihr Kind an Unterernährung stirbt.

Gefestigt werden die Positionen durch Diskurse sowohl zwischen den Traditionalisten wie auch zwischen den jungen Frauen, die wie Noqreh die weltliche Schule besuchen. Gespickt sind diese Diskurse mit Argumenten, die altbekannte Klischees aufwärmen. Ein Lichtblick und ein Akt der Befreiung vom Klischee der Hinterwäldler ist die Begegnung zwischen Noqreh und einem jungen Afghanen, der sich als Dichter bezeichnet, als stiller Verehrer Noqreh in ihrem Vorhaben unterstützt und ihr Lorcas Gedicht schenkt.

Samira Machmalbaf dürfte klever genug sein, die Statik ihrer konzeptionell an die griechische Tragödie erinnernde Figurenkonstellation zu durchschauen. Daher hat sie versucht, die simplifiziert wirkenden Positionen zu verfremden, was eine für die junge Iranerin zentrale Frage durchschimmern lässt: Ist neben dem traditionell islamischen und dem westlichen Gesellschaftsmodell ein drittes denkbar, das aus der orientalischen Weltanschauung wachsen könnte? Gesetzt hat Samira Machmalbaf auf zwei ästhetische Konzepte zur Umsetzung der aneinandergereihten Episoden, was mitunter erkünstelt wirkt. Einzelne Szenen setzen auf einen Realismus, der das Elend skizziert, andere sind geprägt von visueller Mystifizierung, wie jene, in denen Noqreh auf der Suche nach Wasser, der Voraussetzung für Leben schlechthin, durch die düsteren Gänge der Palastruine schweift. Spätestens hier wird klar, dass die 23jährige Samira Machmalbaf (noch) im Schatten ihres Vaters Mohsen Machmalbaf steht, der die Geschichte zum Film geschrieben, sowie den Film geschnitten und produziert hat.

Robert Richter © 2003


At Five in the Afternoon
Filmdaten

Regie: Samira Makhmalbaf
Drehbuch: Samira Makhmalbaf
Darsteller: Abdolgani Yousefrazi, Agheleh Rezaïe, Razi Mohebi
Iran 2003, 105 Min.


At Five in the Afternoon
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