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Filmtage Augsburg 2003

17. Tage des unabhängigen Films/
Days of Independent Film:
24. November - 30. November 2003

Die Kinder sind tot

>> ZU SEHEN AM
Fr, 28.11. - 19.00 Uhr im Thalia


Einer der besten Filme bei den Hofer Filmtagen 2003 war einer, den man eigentlich gar nicht sehen wollte: „Die Kinder sind tot“. Ein Dokumentarfilm über ein Verbrechen, das im Sommer 1999 in Deutschland passierte, in einer Plattenbausiedlung in Frankfurt an der Oder: Eine junge Frau lässt ihre beiden kleinen Kinder zwei Wochen lang allein Zuhause, als sie wieder kommt, sind die beiden Jungen tot. Überall in der Wohnung liegt Müll, in der einen Ecke zusammengerollt der eine Junge, in der anderen sein Bruder. Die Frau war gegangen ohne die Versorgung der Kinder sicherzustellen, so nagen sie verzweifelt an leeren Orangensaft-Packungen, später finden Gerichtsmediziner Bissspuren bei einem Jungen, die von seinem Bruder stammen. Eine Nachbarin sagt: Die beiden Kinder hätten „bestialisch gebrüllt – und auf einmal war es still“. Die Kinder sind tot. Die Mutter, Daniela J., damals 23 Jahre alt, ist aufgewachsen in der Plattenbausiedlung. Mit 17 bekommt sie das erste Kind, dann innerhalb von vier Jahren drei weitere, alle von verschiedenen Vätern. Als ihr der Prozess gemacht wird, herrscht eine unglaubliche Aggression im Land. Eine endlose Flut von Briefen geht bei Gericht ein, die die Wiedereinführung der Todesstrafe fordert.

Aelrun Goette hatte aus der Zeitung von dem Fall erfahren und fuhr zur Verhandlung, weil sie sich immer wieder gefragt hatte, was hinter den Fakten steckt. Als sie dann die Stimmung im Gerichtssaal erlebte, war ihr klar, dass sie darüber einen Film machen will. Ihre Vorgehensweise ist klassisch und akribisch. Der Film beginnt mit Bildern vom Prozess und arbeitet sich dann Stück für Stück in das Verbrechen ein. Goette hat im Gefängnis Gespräche mit der verurteilten Daniela J. geführt. Vor allem aber untersucht sie das Umfeld dieser Frau. Sie geht mit der Kamera in die Plattenbausiedlung und sieht und hört sich um. Fragt in der Kneipe nach, was man von dem Fall hält und stößt auf Schweigen, geht zu Nachbarn und verschafft sich so einen Eindruck vom Milieu. Schließlich spricht sie mit der Mutter von Daniela J., der Oma der toten Kinder, die eine Mitschuld weit von sich weist.

Für Aelrun Goette, Absolventin der HFF „Konrad Wolf“, ist es ein Film über das Wegschauen. In Deutschland interessiert sich kein Mensch dafür, wenn ein Obdachloser unter der Brücke erfriert, man schaut weg, genauso wie alle im Umfeld der Kinder weggeschaut haben. Einfach einen Film zu drehen, der ein Verbrechen nachstellt, das für alle Boulevardmedien ein gefundenes Fressen ist, wäre zweifelhaft, weil immer die Gefahr besteht, dass die Öffentlichkeit sich nur an der Grausamkeit weidet. Aelrun Goettes Absichten jedoch sind nicht voyeuristisch, und das macht sie mit ihrem Film auch glaubhaft. Auch wenn sie das Verbrechen genau beschreibt, sind die brutalsten Szenen doch die, in denen sie das Umfeld beleuchtet und einem klar wird: So etwas kann in unserer Gesellschaft immer wieder passieren.

Als Aelrun Goettes Film bei den Hofer Filmtagen gezeigt wurde, war das Publikum teilweise stumm vor Entsetzen. Und während die Zuschauer drinnen im Saal mit den Tränen kämpfen, steht die Filmemacherin draußen vor der Tür und betont mit fester Stimme:

„Die Kinder mussten dieses Unglück erleiden, dann ist es meine Verantwortung als Dokumentarfilmerin dieses Unglück dem Zuschauer nahe zu bringen und ihm die Möglichkeit zu geben dahinterzuschauen.“

„Die Kinder sind tot“ ist ein Film, den man sich ansehen muss, auch wenn man ihn kaum erträgt. Und dann muss man nachdenken, was passieren muss, damit man solche Verbrechen verhindert.

Sandra Vogell, www.programmkino.de

 



 

Die Kinder sind tot
Filmdaten

Deutschland 2003, 80 Min
Regie: Aelrun Goette
Dokumetarfilm


Die Kinder sind tot
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Bild 1

 

 

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