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ZU SEHEN AM
Mi , 26.11. - 21.00 Uhr im Thalia
Der Film beginnt mit der temperamentvollen Skateboard-Fahrt
eines männlichen Jugendlichen durch die kalifornische
Kleinstadt Visalia, während der Soundtrack den
Punkrock in seinem Walkmann spielt und ihm in der Half-
Pipe der Kopf abgerissen wird. Leben und Sterben dieses
jungen Mannes namens Ken Park geben die Rahmenhandlung
und den Titel ab für eine Story, die eigentlich
mehr Zustandsbeschreibung als Geschichte ist. Skandalregisseur
Larry Clark mit einer Schilderung voller Schweiß,
Blut und Sperma, dem sexuellem Missbrauch, dem Abgrund
aus kaputten Familienverhältnissen und völliger
Entfremdung. Wobei, wie im echten Leben, natürlich
nicht alles schrecklich ist. Co-Regisseur und Kameramann
Ed Lachman taucht viele Szenen in ein mildes, warmes
Licht und lässt mitten im ganz normalen Wahnsinn
immer wieder Schönheit aufblitzen
Es ist einer von diesen Filmen, bei denen man als Zuseher
stets das Schlimmste erwartet. Schließlich beginnt
"Ken Park" gleich mit einer Szene, wo sich
der minderjährige Titelheld auf einer Halfpipe
den Kopf wegbläst. Der schockierende Auftakt für
ein vorstädtisches Pandämonium aus Inzest,
autoerotischen Strangulationen und Mord, einen Film,
in dem die Traumata sämtlicher Nü Metal-Schreihälse
und Eminems dieses Planeten verarbeitet scheinen. Das
Aufwachsen in der Familie als Brutstätte seelischer
Verwundungen. Die gepflegten Vorgartensiedlungen von
Suburbia als Vorhölle.
"Bully", der weniger explizite, aber sogar
noch intensivere Vorgängerstreifen des Ex-Fotografen
Larry Clark, spielte in einer ähnlichen Umgebung.
Einem wahren Kriminalfall folgend, zeichnet der Regisseur
darin ein so eindringliches Stimmungsbild kalifornischer
Middleclass-Jugendlicher zwischen Sex, Drogen und Totschlag,
dass es der Film erst gar nicht in die Kinos schaffte.
Den Londoner Filmfans blieb der Filmstart verwehrt,
nachdem Larry Clark sich mit seinem dortigen Verleiher
ein wildes Handgemenge geliefert hatte. Der Grund: Der
Chef von Metro-Tartan-Films hatte sich beim Abendessen
über den elften September amüsiert und gemeint,
der Vorfall hätte den Amerikanern nur gut getan.
Eine Aussage, die den Regisseur zu einem Sprung über
den Tisch animierte und einer Reihe von Faustschlägen.
Kontroversen ist der Mittfünfziger Clark seit seinen
legendären Fotobänden "Tulsa" (1971)
und "Teenage Lust" (1983) gewohnt. Deren pornografische
Direktheit wurde zwar von Kritikern als wichtigster
Einfluss auf die moderne, rohe Fotografie gefeiert,
brachte den Mann hinter der Kamera aber als Kunstpäderasten
in Verruf. Ein Stigma, das vom Kinoerstling "Kids"
noch zementiert wurde. Larry Clark, ein dirty old man,
der mit seiner Kamera den intimsten Momenten junger
Menschen hintererhechelt, lautet seitdem das gängige
Medienklischee.
"Ich bin jetzt seit vierzig Jahren Künstler,
und die meisten meiner Arbeiten haben einen autobiografischen
Zugang", wehrt der Regisseur ab, dem die Spuren
seiner Outlaw-Vergangenheit ins zerfurchte Gesicht geschrieben
sind. "Ich war im Gefängnis, habe auf jemanden
geschossen, habe mir jede Menge Dope gespritzt. Bei
'Kids' war meine Motivation, dass ich alle bisherigen
Filme über Jugendliche Scheiße gefunden hatte.
Diesmal war die Herangehensweise ähnlich."
"Ken Park" zeigt bisher am ungeschöntesten,
worum es dem Filmemacher jenseits aller Vorwürfe
wirklich geht: um den Abgrund aus kaputten Familienverhältnissen,
sexuellem Missbrauch und völliger Entfremdung,
der unter seinen jungen Protagonisten klafft.
>> English
What VARIETY thinks:
"The picture begins with the title character blowing
his brains out one sunny day at a park. Then there's
a teenage boy graphically servicing his girlfriend's
mom; the "good girl" daughter of a Bible-quoting
dad who's really a bondage-loving nympho; the autoerotic
asphyxiation freak who masturbates in loving close-up
before stabbing his grandparents to death in their bed;
and the drunken macho father who sexually assaults his
sleeping son. Exploitative, deliberately provocative
pornography? Courageous revelation of the secret life
of teens? Calculated sensationalism? Telling it like
it is? These are the arguments that will inevitably
cause fur to fly anywhere in the vicinity of "Ken
Park," a sexually explicit slab of teenage ennui
from that self-proclaimed expert on the skateboard set,
Larry Clark, working this time in tandem with ace cinematographer
Ed Lachman. Beautifully crafted but emotionally dispiriting
and alienating in its insistence on spotlighting only
the negative aspects of life, this Euro-financed contribution
to contempo Americana resembles certain recent French
films in its unblinking depiction of raw sex. With attention-grabbing
controversy and a measure of critical praise in store,
international sales will be strong to territories without
censorship restraints, and an enterprising U.S. distrib
could generate decent mileage with the film as an unrated
specialized attraction."
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