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| Filmfest
Augsburg 2004 |
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24.
Augsburger Kinderfilmfest/
Augsburg Children´s Film Festival: Das
24. Augsburger Kinderfilmfest findet dieses Jahr vom So,
06.03. - So, 13.03.2005 statt. |
| Wettbewerb
1 |
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| Filme
für Kinder bis 10 |
Hin
und Her
Interview
"Kinder-und Jugendfilmkorrespondenz" |
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„Lust am Rollentausch“
Gespräch mit Ella Lemhagen, Regisseurin des Films
„Hin und Her“ („Tur och Retur“)
KJK: Nachdem Sie für
Ihren Film „Tsatsiki, Mama und der Polizist“
vor vier Jahren gleich viermal mit dem schwedischen „Guldbagge“
und anschließend in Berlin mit dem „Gläsernen
Bären“ ausgezeichnet wurden, wollten Sie erst
mal keine Kinderfilme mehr machen.
Ella Lemhagen: Ja, ich wollte nicht als Kinderfilm-Macherin
abgestempelt werden und habe, obwohl ich laufend Angebote
dafür bekam, bis zu „Hin und Her“ auch
keinen Kinderfilm mehr, sondern einen Thriller und einen
anderen Spielfilm für Erwachsene gedreht. Und auch
als mir meine Produzentin Charlotta Denward diesen Stoff
schmackhaft zu machen versuchte, war ich sehr zögerlich.
Was hat Sie bewogen, den
Film dann doch zu machen?
Die Idee für „Hin und Her“ beruht auf
einer norwegischen Kurzgeschichte. Dort sind es zwei Mädchen,
die im Flughafen aufeinander treffen, und als ich das
las, hatte ich erst keine Meinung dazu. Es ist ja auch
nicht das erste Mal, dass diese Geschichte erzählt
wird, und mit den Problemen von Kindern, deren Eltern
sich getrennt haben, hatte ich mich ja schon in „Tsatsiki“
beschäftigt. Man versuchte mich umzustimmen, ich
lehnte ab. Erst als wir auf die Idee kamen, eine der beiden
Mädchen zu einem Jungen zu machen, bekam ich Lust.
Mich hat der Rollentausch interessiert, die Frage, was
passiert, wenn man sein Geschlecht wechselt. Welche Erwartungen
werden da an dich gestellt? Das war die Herausforderung
für mich und so fing ich an, das Drehbuch zu schreiben.
Sie spielen nicht nur die
Frage durch, was passiert, wenn ein eher jungenhaftes
Mädchen zum Jungen und ein eher mädchenhafter
Junge zum Mädchen wird, Sie spielen mit allen Rollen.
Da ist zum Beispiel die dicke Mutter von Martin, dessen
Vater auch nicht gerade den landläufigen Vorstellungen
von einem Mann entspricht. Und da ist der He-man Pollux,
der die Barbie-Puppe heiratet und schwärmt, dass
ihre Frisur aussieht wie eine Hochzeitstorte.
Pollux kam übrigens erst später dazu, jemand
anders ist auf die Idee gekommen und ich fand das so gut,
dass ich ihn gleich eingebaut habe. Ich meine, Pollux
gibt es nicht wirklich, aber „Die Gladiatoren“.
Das ist bei uns eine sehr populäre Fernseh-Show -
die läuft jeden Freitag und jeder kennt die. Da haben
die Leute eben Namen wie Plexus und ähnliche.
Durch die Zuspitzung werden
die Rollen aber auch wieder gebrochen und als solche durchschaubar.
Ganz genau und das hat mich auch am meisten an dieser
Geschichte interessiert. Es hat unglaublich Spaß
gemacht, mit den Erwartungen in Bezug auf einen Mann oder
eine Frau zu spielen, weil der Film zeigt, wie die heranwachsenden
Kinder in ihren verschiedenen Rollen behandelt werden.
So im nachhinein, wenn ich mir den Film jetzt angucke,
denke ich, wir hätten vielleicht sogar noch weiter
gehen können damit. Und es ist nicht bloß im
Kinderfilm interessant, mit diesen Rollen zu spielen,
ja, man könnte da ruhig noch weiter gehen. Dahinter
steht ja die Frage, ob wir eigentlich als Individuen oder
als Repräsentanten unseres Geschlechts akzeptiert
werden.
Wie kommt es eigentlich,
dass nur Martin diese Einbildungen hat? Ich denke da an
die Szene im Flugzeug, als er sich von der Stewardess
als „Mimose“ geoutet fühlt, oder als
der Pianist Roger Wells zu ihm aus dem Fernseher kommt.
Weil er ein Träumer ist, braucht er das mehr als
Julia, die mit beiden Beinen auf der Erde steht. Er hat
ja auch diese Passion für’s Klavier, die im
hinterwäldlerischen Norden nicht akzeptiert wird.
Ich habe lange darüber nachgedacht, welche Leidenschaft
ich ihm geben könnte, als ich eher zufällig
an den berühmten Robert Wells dachte, der ein richtiger
Star bei uns ist. Da kam ich auf die Idee, Martin Klavier
spielen zu lassen, und ich glaube, das war perfekt. Jeder
weiß, dass Wells diese langen Haare hat, und wenn
Martin Klavier spielt, wundert sich niemand, dass er auch
so aussehen möchte wie Roger Wells. Damit passten
Julias Haare auch zu dem klassischen Klaviertyp Martin.
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| Das
schwedische Filmplakat! |
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Sie mischen in Ihrem Film realistische
und fantastische Szenen - und man muss erstaunlich viel lachen
bei diesem Thema.
Ja, ich mag das selbst gern, und dass
es lustig ist, kann man gar nicht vermeiden, wenn man jemand
in eine andere Rolle und andere Familie steckt. Wenn man eine
Geschichte über getrennte Familien realistisch und sozialkritisch
zeigen würde, würde der Film sehr depressiv sein,
sehr dunkel und ganz bestimmt nicht amüsant. Aber ich
ziehe es vor, mit Fantasie, bunten Farben und unerwarteten
Ereignissen zu arbeiten, weil ich eben nicht böse und
ernst sein will, auch wenn es natürlich ein sehr ernstes
Thema ist.
Wie ist das mit den „kosmischen
Zwillingen“?
Manche vermuten dahinter irgendeine
tiefere Bedeutung. Für mich ist das mit den sich treffenden
Glassplittern eher ein schiefes Bild. Ursprünglich hatten
wir am Anfang des Films eine Sequenz, in der Julias Mutter
ihrer Tochter das Kaleidoskop schenkt und dabei von kosmischen
Zwillingen erzählt. Also, dass man plötzlich jemanden
trifft, der einem das Gefühl gibt, wie ein Zwilling von
ihm zu sein, und das sei so unerwartet, wie wenn plötzlich
in einem Kaleidoskop die umher schwebenden Glasstücke
aufeinandertreffen. Sie versucht Julia damit zu erklären,
wieso sie sich plötzlich in jemand anders verliebt hat
und warum man dagegen machtlos ist. Wir haben diese Szene
auch gedreht, aber dann schien sie uns für den Anfang
einfach zu lang und auch entbehrlich. Wenn Julia auf dem Flughafen
von „kosmischen Zwillingen“ spricht, klingt es
jetzt mehr wie etwas, das sie irgendwo aufgeschnappt hat.
Hätten wir die Anfangssequenz drinnen gelassen, wäre
das alles etwas dick aufgetragen, zumal die Erklärung
von Julias Mutter auch wirklich ein bisschen schief ist. Sie
bezeichnet sie später, als sie sich wundert, dass ihre
Tochter das Kaleidoskop immer noch hat, selbst als Unsinn.
Nein, die „kosmischen“ Zwillinge sind ein Bild
ohne tiefere Bedeutung, da ist nichts Metaphysisches im Spiel.
Wie haben Sie Amanda Davin
gefunden und was hat sie für die Doppelrolle ausgezeichnet?
Wir haben sie aus mehreren
1000 Kindern ausgewählt. Wir haben viele Castings gemacht,
sind aber auch in die Schulen gegangen. Ich arbeite mit einer
Frau zusammen, die darauf spezialisiert ist, Kinderdarsteller
zu finden, und sie hat Amanda in ihrer Schule aufgetan - dort
hat sie erst ein Interview mit ihr gemacht . Das habe ich
mir als Video angeguckt und Amanda gefiel mir von Anfang an.
Aber natürlich haben wir immer wieder Tests gemacht,
mit ihr und den anderen, meistens Mädchen, aber natürlich
waren auch einige Jungen dabei. Ja, und Amanda war von allen
die beste, nicht nur, weil sie eine sehr gute Schauspielerin
ist, sondern auch von ihrem Äußeren. Sie hat dieses
Gesicht und die Stimme, die eben auch zu einem Jungen passt
- also sie war auch ein sehr gutes „Material“
zum Arbeiten, wenn man das so sagen kann. Sie, wie übrigens
auch Julia, haben beide schon in einem Kurzfilm gespielt,
aber es war ihr erster Spielfilm, und sie haben es ganz toll
gemacht.
Was ist Ihr nächstes
Projekt?
Noch nichts Konkretes. Ich schreibe ein paar Sachen, ich lese
viele Drehbücher und dann erwarte ich mein drittes Kind.
Also wir werden sehen, was kommt.
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Filmbüro Augsburg
Frau Ellen Gratza
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