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| Filmfest
Augsburg 2004 |
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24.
Augsburger Kinderfilmfest/
Augsburg Children´s Film Festival: Das
24. Augsburger Kinderfilmfest findet dieses Jahr vom So,
06.03. - So, 13.03.2005 statt. |
| Wettbewerb
2 |
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| Filme
für Kinder ab 10 |
Polleke
Interview
"Kinder-und Jugendfilmkorrespondenz"
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Interview mit Ineke Houtman:
„Sinn für Humor und ein großes Herz“
KJK: Angesichts der Bedrohung
durch den weltweiten Terrorismus wird geklagt, dass zu
viele Immigranten neben uns her leben, dass wir viel zu
wenig von ihnen wissen und ihre Integration eine Illusion
war. In dieser Situation verbreitet Ihre Protagonistin,
die kleine Polleke, unerschütterliche Zuversicht
in ein Miteinander der verschiedenen Kulturen.
Ineke Houtman: „Ja, es ist ganz wichtig, dass sich
die Menschen, die heute so verwirrt sind und einander
bekämpfen, wieder auf die entscheidenden menschlichen
Werte besinnen - also auf die Liebe, die Hoffnung und
den Glauben. Ich meine das nicht im christlichen Sinn,
aber diese Werte sind notwendig heute und deshalb hoffe
ich, dass sich viele Leute den Film ansehen.“
„Polleke“ ist
Ihr zweiter Spielfilm und wiederum beruht er auf einem
Buch von Guus Kuijer, dem unter dem Titel „Es gefällt
mir auf der Welt“ auch bei uns erschienenen ersten
Band seiner drei „Polleke“ -Bücher. Wer
ist da auf wen zugekommen ?
„Dieses Mal war das keine Idee vom Produzenten,
sondern eine von Guus und mir. Angefangen hat es damit,
dass mir eine Freundin, die an einer Grundschule achtjährige
Kinder unterrichtet, von einem marokkanischen Mädchen
erzählte, das andauernd mit einem holländischen
Jungen aus ihrer Klasse rangelte. Als sie die beiden schließlich
mit der Bemerkung aufzog: ‚Ihr seid wohl verliebt!’,
wurde das Mädchen puterrot, brach in Tränen
aus und stieß schluchzend hervor: ‚Ich werde
nie einen Holländer heiraten dürfen!’
Diese traurige Geschichte ging mir nicht mehr aus dem
Kopf. Ich meine, wenn man schon mit acht weiß, dass
einem die Zukunft verstellt ist, dass man niemanden aus
einem anderen Kulturkreis, mit einer anderen Religion
lieben darf, das tut richtig weh; oder?
Kurz danach rief Guus Kuijer mich an: Er wollte wissen,
ob ich gern noch mal was mit ihm machen würde, er
hätte da einen Stoff, an dem er hart arbeite. Als
wir uns trafen, erzählte ich ihm aber erst mal meine
Geschichte. Da sprang er auf und sagte: ‚Also, das
ist wirklich verrückt: ich schreibe gerade an einem
Buch über ein holländisches Mädchen und
einen marokkanischen Jungen!’ Ja, und als er das
Buch fertig hatte, las ich es noch im Manuskript und dachte:
Das ist unglaublich. Es fängt an wie eine normale
heitere Kindergeschichte und wird richtig schwer: Was
dieses Kind alles durchmachen muss, ist kaum zu ertragen.
Aber Polleke hat so viel Hoffnung, so viel Liebe und Zutrauen
in die Welt, dass sie das aushalten kann, ja, sie macht
einem selbst richtig Mut. Und Kuijer erzählt in einem
Ton, der so leicht ist, dass er die Kinder nie überfordert.
Er ist ein sehr gefühlvoller Schreiber mit viel Substanz
und dabei noch witzig. Mir gefällt, wie er das Leben
sieht, und ganz besonders mag ich seinen Humor. Ja, und
weil ich schon durch das Erlebnis meiner Freundin für
das Thema motiviert war, schien es mir wirklich interessant,
seine Geschichte in einen Film umzusetzen.“
Habt Ihr dazu noch selbst
recherchiert?
„Ja, und ich habe außerdem noch einige Berater
hinzugezogen. Zum Beispiel der Schauspieler, der Mimoens
Vater spielt und in Holland auch als Theaterregisseur
arbeitet, hat mir sehr bei meinen Nachforschungen geholfen.
Er ist Berber. 80 % der in die Niederlande eingewanderten
Marokkaner sind Berber und ich habe sie für den Film
ausgewählt, weil die Geschichte dadurch noch an Dramatik
gewinnt. Die Berber, die aus dem Rif Gebirge stammen und
zu den nicht arabisch sprechenden Marokkanern gehören,
bilden nämlich eine geschlossene Gesellschaft bei
uns. Sehr in ihren Traditionen verhaftet, schotten sie
sich bewusst von der Umwelt ab und gewähren niemandem
Einblick.
Es ist sehr schwer, an sie heranzukommen, und natürlich
findet man bei ihnen auch kaum jemanden, der spielen will
und das dann auch kann. Bis auf Mimoens Vater sind alle
Berber in dem Film Laien und Mamoun Elyounoussi, der den
Mimoen spielt, ist kein Berber. Er musste die Sprache
erst lernen. Ich bekam natürlich viele Ratschläge,
wie ich was machen sollte, aber am Ende macht man den
Film doch so wie man denkt, weil man von dem einen den
Rat kriegt und von einem anderen genau das Gegenteil hört.
Außerdem nehmen wir ja die holländische Perspektive
ein, sehen also alles mit den Augen des Mädchens.“
>> weiter: rechte Spalte!
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| Das
niederländische Filmplakat! |
|
| Wobei
die Atmosphäre in der Berber-Familie sehr authentisch
wirkt.
„Danke. Das war mir sehr wichtig. Die Marokkaner
sind in dieser Geschichte ja auch keine Bösewichte,
sondern freundliche Menschen, die ihre eigenen Probleme
haben, aber respektvoll miteinander umgehen. Auch den
Onkel kann man aus seiner Sicht durchaus verstehen.
Wegen all der Probleme auf internationaler Ebene ist
es nötig, dass wir endlich anfangen, miteinander
zu sprechen und einander zu respektieren. Man muss ja
nicht gleich groß Freund werden, auch wenn ich
sagen muss, dass ich unter ihnen sogar richtige Freunde
gefunden habe. Das sind ganz tolle Menschen.“
Dennoch müssen wir
uns wohl eingestehen, dass wir hinsichtlich der Integration
insgesamt ein bisschen blauäugig waren. Sonst hätte
jemand wie der Rechtspopulist Pim Fortuyn in Ihrem für
seine Toleranz oft bewunderten Land wohl kaum so viel
Erfolg gehabt.
“Seit seiner Ermordung im Mai 2002 ist es in den
Niederlanden sogar noch schlimmer geworden. Seither
kontrollieren die Leute ihre Emotionen nicht mehr. Jeder
schleudert jedem seine Gefühle entgegen, man bedroht
Politiker, schickt ihnen Briefbomben, macht aus allem
ein Problem. Und das kann ich überhaupt nicht leiden.
Es ist wirklich nicht alles so schwierig, wie man vorgibt.
“
Wobei wir wieder bei „Polleke“
sind. Es ist schon erstaunlich, wie Liv Stig diese schwierige
Rolle umsetzen kann. War es der erste Film für
sie und Mamoun?
„Für ihn ja, Liv hat schon mal in einem Kurzfilm
gespielt. Wir suchten nach einem Mädchen, das Sinn
für Humor und ein großes Herz hat, das Hoffnung
ausstrahlt und in ihren Gedanken und Gefühlen immer
positiv bleibt. Wir hatten bereits 350 Mädchen
gecastet, als eine Freundin von Livs Mutter, die in
meinem ersten Film ‚Madelief - das Zeichen auf
dem Tisch’ die Mutter von Madelief gespielt hat,
mir deren Tochter für die Besetzung der Polleke
vorschlug. Ja, und bei Liv stimmte dann alles. Auch
den Jungen haben wir letztlich über private Wege
gefunden. Übrigens habe ich die Szenen mit den
beiden erst jeweils vor Drehbeginn durchgesprochen,
sie mussten ihren Text nicht auswendig lernen.“
Wie war Ihr Werdegang?
„Nachdem ich ein Jahr holländische Sprache
und Literatur studiert habe, wechselte ich auf die Amsterdamer
Film- und Fernsehakademie NFTVA, studierte dort Kamera
und Regie und bekam auch viel Praxis mit, u.a. war ich
Kameraassistentin bei Paul Verhoevens Film ‚Spetters’.
Ich beendete die Ausbildung 1981 und hatte ziemlichen
Erfolg mit meinem Abschlussfilm ‚Albert B.V.’,
bei dem ich verantwortlich für die Regie und Mitautorin
beim Drehbuch war. Der Film wurde mit einem Sonderpreis
ausgezeichnet und ich hatte danach hochfliegende Pläne.
Aber dann passierte gar nichts. Ich war einfach zu ehrgeizig,
wollte zu viel - tja, und so machte ich erst mal Kamera
und wiederum nach zwei Jahren habe ich mich mit Erfolg
um einen Job beim Kinder- und Jugend-Fernsehen beworben.
Ich arbeitete dann für VPRO, eine Fernseh-Station,
die sehr gute Kinderprogramme hat und wo viel ausprobiert
wird - es war wunderbar dort zu arbeiten, wie in einem
Experimentier-Garten, und langsam kam ich zu dem, was
ich wirklich wollte, nämlich zum Spielfilm.“
Interview: Uta Beth |
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