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Auch Schildkröten
können fliegen

Iran 2003 - Regie: Bahman Ghobadi -Kamera: Shahriar Assadi
- Darsteller: Avaz Latif, Soran Ebrahim, Hirsh Feyssal, Saddam
Hossein Feysal - Fassung: 35mm, OmdUt - Länge: 95 min.
Regisseur Bahman Ghobadi („Zeit der trunkenen Pferde“
- Eröffnung Filmtage Augsburg 2002) wird seinen Film
persönlich in Augsburg vorstellen.
An der türkischen Grenze des Nord-Iraks in einem kurdischen
Flüchtlingslager kurz vor Beginn des amerikanischen Angriffes
auf den Irak. Die Waisenkinder des Lagers leben in extremer
Armut. Sie müssen ihr Geld mit dem Bergen amerikanischer
Landminen verdienen, die sie für wenige Dinar an Unterhändler
abgeben, die wiederum die Minen teuer an die UN weiterverkaufen.
Viele der Kinder sind bereits verstümmelt, müssen
aber trotzdem jeden Tag von neuem auf die Minenfelder gehen,
um nicht zu verhungern.
Satellit, ein technisch versiertes Kind, das eine Kindergruppe
anführt, hat auch gute Kontakte zur nächsten Stadt
und den Händlern dort. Er versorgt das Bergdorf neben
seinem Lager mit einer Satellitenschüssel, weil die Bewohner
dringend auf Nachrichten angewiesen sind über den bevorstehenden
Krieg. Satellit ist ein Fan der Amerikaner. Die Dorfbewohner
glauben, daß er die Nachrichten auf CNN für sie
übersetzen kann. Jeden Tag wartet er wie die anderen
darauf, daß die Amerikaner kommen und das Land von Saddam
Hussein befreien. Eines Tages begegnet Satellit der jungen
Mutter Agrin und Hengov, ihrem hellsichtigen Bruder, die aus
Halabja kommen. Satellit verliebt sich in Agrin, die seine
Gefühle jedoch nicht erwidert.
Agrin hat Selbstmordgedanken, die Erinnerungen an ihre Vergewaltigung
durch irakische Soldaten lassen sie nicht los. Agrin möchte
das Lager verlassen und davor ihren Sohn Digah umbringen,
weil sie ihn durch die Vergewaltigung bekommen hat. Der kleine
Junge gerät in ein Minenfeld. Jeder Schritt kann tödlich
sein. Alle Kinder des Dorfes sind am Rande des Minenfeldes
versammelt und rufen Digah laut zu. Doch nur Satellit bringt
wegen seiner Liebe zu Agrin den Mut auf, dem Jungen zu helfen.
Er kann zwar Digah helfen, doch eine amerikanische Mine explodiert
trotzdem, Satellit wird schwer verletzt. Als die amerikanischen
Soldaten das Flüchtlingslager erreichen, freut sich Satellit
wegen seines verlorenen Beines nicht mehr.
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Auszeichnungen:
Goldene Muschel - Hauptpreis
des Wettbewerbs - beim Filmfestival San Sebastián 2004.
Hintergrund:
Bahman Ghobadi zur Entstehungsgeschichte des Films:
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Regie:
Bahman Ghobadi wurde 1968 im iranischen Kurdistan in dem Dorf
Baneh geboren, in dem sein erster Spielfilm "Zeit der
trunkenen Pferde" spielt. In einer schwierigen Kindheit,
die von Kriegsjahren geprägt war, wurde seine Heimat
mehrfach von den Irakern bombadiert, viele Verwandte des jungen
Bahman kostete es das Leben und diese Erinnerungen gruben
sich ihm tief ins Gedächtnis ein.
Ghobadis Eltern trennten sich, als er elf war. Er mußte
nebenher arbeiten, um sich und seine Familie durchzubringen.
Nach dem Mittelschulabschluß ging er zum Radio. 1988
schloss er sich in Sanandaj einer Gruppe junger Filmliebhaber
an, gemeinsam drehten sie die ersten Kurzfilme. 1993 zog er
nach Teheran, um Filmemachen zu studieren. Schon bald gab
er das formale Studium auf, um selbst Kurzfilme zu machen
und als Regieassistent an anderen Filmen mitzuwirken.
Von 1995 bis 1999 entstanden insgesamt 9 Kurzfilme, die meist
auf Kindheitserinnerungen beruhen und in Schulen spielen.
Sie gewannen viele internationale Festivalpreise, so "Leben
im Nebel" den Spezialpreis der Jury von Clermont-Ferrand.
1999 assistierte Bahman Ghobadi Abbas Kiarostami bei der Regie
von DER WIND WIRD UNS TRAGEN, und in Samira Makhmalbafs SCHWARZE
TAFELN spielt er einen der Wanderlehrer.
Sein erster Langspielfilm, und auch die erste Produktion aus
kurdischer Hand, ZEIT DER TRUNKENEN PFERDE wurde weltweit
auf vielen Festivals preisgekrönt und erhielt 2000 in
Cannes gemeinsam mit DJOMEH von Hassan Yektapanah die Caméra
d'Or für den besten Debütfilm. Nach 'Verloren im
Irak' - SONGS FROM MY MOTHERLAND, der ebenso reich mit Preisen
gekrönt wurde, kommt nun sein dritter Film „Auch
Schildkröten können fliegen“ ins Kino.
Pressestimme:
Bahman Ghobadi hat in den letzten Jahren bewiesen, daß
er für seine Art des Geschichtenerzählens jedes
Opfer zu bringen bereit ist. Als der 1969 in Kurdistan geborene
Regisseur in seinem Debütfilm „Die Zeit der trunkenen
Pferde" mehr Schnee brauchte und die Dreharbeiten um
ein Jahr verlängern mußte, verkaufte er alles,
was er hatte, lieh sich Geld zusammen und beendete den Film
mit genau so viel Schnee, wie er für notwendig hielt.
In Kurdistan gibt es kaum eine Handvoll Kinos. Die Kurden,
so Ghobadi, seien ja Hauptdarsteller in ihren eigenen Action-Filmen,
aber immer als Opfer.
In „Auch Schildkröten können fliegen"
erzählt er von der schwächsten vorstellbaren Gruppe
überhaupt, kurdischen Waisenkindern in einem irakischen
Dorf nahe der Grenze zu Iran und der Türkei unmittelbar
vor den ersten Angriffen amerikanischer Bomber. Die Kinder,
viele von ihnen verstümmelt, suchen Landminen, um sie
zu verkaufen. Das ist die Gefahr von unten. Und oben am Himmel
dröhnt die neueste Kriegstechnologie.
Ghobadis konzentrierter, am Neorealismus geschulter Stil beeindruckt.
Frankfurter Allgemeine.

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