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Waiting for the Clouds

Frankreich, Deutschland, Türkei, 2004 - Regie: Yesim Ustaoglu - Darsteller: Rüçhan Çaliskur, Ridvan Yagci, Ismail Baysan - Fassung: 35mm, OmdUt - Länge: 87 min.

WAITING FOR THE CLOUDS erzählt vom 50 Jahre lang verschwiegenen Geheimnis einer alten Frau, Ayshe, und den Konsequenzen, als dieses durch ihren Freund, den achtjährigen Mehmet entdeckt wird.

Regisseurin Yesim Ustaoglu, 1999 auf der Berlinale mit „Reise zur Sonne“ international bekannt geworden, beleuchtet ein von der offiziellen türkischen Geschichtsschreibung tabuisiertes Thema. In dem ihr eigenen behutsamen und einfühlsamen Erzählstil entfaltet die Regisseurin die Geschichte einer alten, an der Schwarzmeerküste lebenden Bäuerin, die 1975 plötzlich mit der Aufdeckung ihrer 50 Jahre lang geheim gehaltenen griechischen Identität konfrontiert wird, und lässt hinter den lang verdrängten Erinnerungen die Geschichte von der Deportation der Griechen aus Anatolien im Jahre 1923 aufsteigen.

Was ist Heimat? Identitätssuche, Nationalismus, Verlust und Heimkehr, Ver- und Entwurzelung: Nichts geringeres als diese essentiellen Fragen des menschlichen Seins stellen den Rahmen von „Waiting for the Clouds“ dar; erzählt anhand von Ayshes bewegender Geschichte.

 

 


Regie: Yesim Ustaoglu:

Für ihren Skandalfilm „Reise zur Sonne“ erhielt die 1960 geborene, politisch engagierte Filmemacherin Yesim Ustaoglu bereits 1999 auf der Berlinale den „Blauen Engel“ für den Besten Europäischen Film, kurz darauf die beiden Hauptpreise auf dem Filmfest in Istanbul. Kurz nach der Verhaftung von PKK-Führer Abdullah Öcalan und dem anschließenden von nationalistischen Gefühlsausbrüchen begleiteten Schauprozess bedeutete ihre Geschichte von einer unmöglichen Freundschaft zwischen einem jungen kurdischen Straßenhändler und einem türkischen Arbeiter einen Skandal. Trotz der Auszeichnungen wurde der Film von zahlreichen Verleihern und Filmkritikern aus Angst vor Repressalien gemieden.


Hintergrund:

In den 70er Jahren war die Türkei ein Land der sozialen und politischen Umbrüche, dessen übermächtiger Nachbar, die Sowjetunion, eine ständige Quelle der Angst und Paranoia darstellte. Türkische Kommunisten und jede Person, die als "anders" erachtet wurde, wurden durch die Regierung strengstens überwacht. Intoleranz und Misstrauen bestimmten die Tagesordnung. Diese Atmosphäre war besonders intensiv in den nordöstlichen Region der Türkei, in der Trabzon, eine Stadt am Schwarzen Meer, liegt - nur einige Hundert Kilometer von der Grenze zur Sowjetunion entfernt. In dieser Zeit spielt WAITING FOR THE CLOUDS.

Filmland Türkei:

In den neunziger Jahren war die Türkei vor allem ein Markt für die amerikanischen Majors. Das hat sich durch eine neue Generation türkischer Filmemacher verändert. Türkische Produktionen laufen erfolgreich auf internationalen Festivals, erobern neue Genres – wie Faruk Soraks gerade bei uns gestarteter SF-Film G.O.R.A – und wagen sich an die Aufarbeitung nationaler Traumata. Spätestens seit Fatih Akin zum Aushängeschild des neuen deutschen Films gemacht wurde, steht die Türkei, heftig umstritten als potenzieller Mitgliedsstaat der EU, auch als Kulturnation in der öffentlichen Diskussion. Dabei trägt das Land bereits seit geraumer Zeit zu einer neuen europäischen Kulturszene bei, deren nationale Grenzen fließend sind.