 |
Yasmin

Großbritannien, Deutschland 2004 - Regie: Kenny Glenaan
- Darsteller: Archie Panjabi, Renu Setna, Steve Jackson -
Fassung: 35mm, OmdUt - Länge: 87 min.
Die Pakistanerin Yasmin lebt
in Nord-england und rebelliert bereits als Heranwachsende
gegen die Kultur ihres Herkunftslandes. Ihrem Vater zuliebe
hat sie ihren Cousin geehelicht und versucht nun mehr schlecht
als recht, ihr westliches Leben und die Einschränkungen
der muslimischen Tradition unter einen Hut zu bringen. Dieses
fragile Arrangement gerät jedoch durch den 11. September
aus dem Gleichgewicht:
Die Arbeitskollegen meiden Yasmin,
während der unglückselige Faysal in den Verdacht
gerät, einer Terrororganisation anzugehören, und
im Hause Yasmins verhaftet wird. Dieser Vorfall stürzt
Yasmin in eine ernsthafte Identitätskrise und bringt
sie dazu, für die Befreiung ihres Mannes zu kämpfen.
Dabei findet sie immer mehr zu ihren eigenen Wurzeln. Zurück
bleiben der einsame Vater, der nun beide Kinder verloren hat,
die Tochter an die moderne Welt, den Sohn an die Religion,
und die bittere Frage, ob nicht wir Europäer mit unseren
Pauschalurteilen die islamischen Menschen erst in den Extremismus
treiben. Ein wunderbarer, mehrfach preisgekrönter Film.
|
 |

Auszeichnungen:
57. Internationales Filmfestival Locarno 2004: Preis der ökumenischen
Jury
Ausgezeichnet mit dem "Templeton-FILMPREIS" 2004
- Berlinale
Regie:
Kenny Glenaan arbeitet als Regissseur
und Schauspieler.
1996/96 The Whirlpool, 1995/96 Ten Guitars, Family Affairs
(TV), 1998 Duck Tartan Short, Animal, Gas, Attack, Spark .
Als Schauspieler war er in „Silent Scream” (1990)
und „This is not a Love Song” (2002) zu sehen.
Hintergrund:
Am sozialkritischen britischen Kino eines Ken Loach orientiert
sich Kenny Glenaan, der in Yasmin an einer Alltagsgeschichte
präzise und unsentimental zeigt, wie sich die Situation
der pakistanischen Communities in England durch 9/11 geändert
hat. Obwohl die junge Yasmin sich völlig an die englische
Lebensweise assimiliert hat, wird sie nach dem Anschlag auf
das WTC (World Trade Center) von den Briten schikaniert, als
„Freundin Osamas” – ein Name, mit dem sie
nichts anfangen kann – beschimpft und vom Arbeitgeber
in Urlaub geschickt.
Als ihr Cousin Faysal, mit dem sie zwecks Einbürgerung
eine Scheinehe geschlossen hat, verhaftet wird, wandelt sich
langsam ihre Haltung gegenüber den Briten und sie bekennt
sich zu ihrer islamischen Herkunft. Eingebettet in eine realistische
und durch den genauen Blick für Details dichte Milieuschilderung
zeigt Gleenan am Beispiel seiner von Archie Panjabi hervorragend
gespielten Protagonistin plastisch, dass durch 9/11 auch die
Gräben in den multikulturellen Gesellschaften Westeuropas
größer geworden sind.
|
 |