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Der Filmtage-Blog


Die Geschichte der Orangen

Es sind verblüffende Bilder, die der israelische Regisseur Eyal Silvan seinen Gesprächspartner zeigt. Für seinen Film „Jaffa – The Orange’s Clockwork“ hat er Menschen in Israel mit Fotos und Filmen aus einer Vergangenheit konfrontiert, in der Juden und Palästinenser nicht konfliktfrei, aber doch nachbarschaftlich mehr mit- als gegeneinander lebten. Das Besondere daran: Es sind weder Araber noch notorische Israelkritiker, die hier zu Wort kommen – die Befragten sind allesamt Mitglieder zionistischer Organisationen. „Das sind einfach Nachbarn – das hat mit Politik nichts zu tun“, sagt einer von ihnen, und er meint damit natürlich nicht die Gegenwart. Der Film macht eindrücklich klar, dass die Besiedelung Palästinas durch Juden aus aller Welt aus palästinensischer Sicht selbstverständlich auch ein Stück Kolonialgeschichte ist.

„Jaffa“ – dieser Begriff war bis in die 70er Jahre hinein in Europa, aber auch in den USA ein Synonym für „Orange“, so wie man den Begriff „Tempo“ für jedes Papiertaschentuch benutzt, obwohl „offiziell“ nur eine bestimmte Marke so heißt. In Vergessenheit geriet schnell, dass „Jaffa“ ursprünglich kein Markennamen, sondern eine Herkunftsbezeichnung war: Es ist der Name der palästinensischen Hafenstadt, aus der die schönen orangenen Früchte in alle Welt geliefert wurden. Eindrucksvolle Bilder aus den 50er-Jahren zeigen, wie die vitaminreiche Ware von langen Kamelkarawanen im Hafen angeliefert und auf Schiffe verladen wurde, wie israelische, vor allem aber palästinensische Arbeiter die Früchte in Seidenpapier wickeln und verpacken – fünf Millionen Kisten wurden bis in die 70er Jahr für Jahr ins Ausland verschifft.

Das ist längst Geschichte, denn die Stadt Jaffa wurde eines der ersten Opfer der Kriege, die sich Araber und Juden seither mit nur kurzen Unterbrechungen liefern. Jaffa wurde zerstört, zerschossen, zerbombt, Israel baute sich einen anderen, sicheren Hafen, die Plantagen gingen in den Besitz der neuen Herren über, mancher Palästinenser fand sich als Arbeiter auf einer Plantage wieder, deren Eigentümer er wenige Jahre zuvor selbst gewesen war. Die Legende der Jaffa-Orange will davon nichts wissen. In vielen Werbefilmen zeigt Silvan, wie die Geschichte umgeschrieben wurde, um den Mythos vom jüdischen Volk zu schaffen, das seine reichen Plantagen dem verdorrten Wüstenboden abgerungen haben, und wie die Geschichte der Landnahme durch die Israelis systematisch verdrängt wurde. „Die Fotos zeigen ein reiches Leben bevor wir kamen“, gibt ein Betrachter des alten Filmmaterials unumwunden zu.

Aus der Sicht der Juden ging es ums Überleben – das darf nicht vergessen werden. Sie suchten eine Heimat, in der sie sich zukünftig weder vor Holocaust, noch vor Vertreibung, Diskriminierung, Unterdrückung würden fürchten müssen. Silvans Film zeigt einmal mehr, dass bei diesem Unterfangen Wunden geschlagen wurden, die heute erneut die Sicherheit Israels und der Juden gefährden. (fh, Filmfest-Blog Artikel vom 15.11.10)

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Seine Figuren sind äußerst schweigsam, er selbst gibt zu vielen Aspekten seines Films nur wenig Auskunft – doch im abendlichen Kneipengespräch zeigt sich Regisseur Ramtin Lavafipour als höchst sympathischer und redseliger Gesprächspartner. Hier diskutiert der mit Regisseurin Nina Kusturica nach der Vorstellung ihres Filmes „Little Alien“.

Stille Menschen, beredte Bilder
Ramtin Lavafipours Film „Sei ruhig und zähl bis sieben“

Lange, äußerst schweigsame Einstellungen. Nur wenige Dialoge, stattdessen Bilder in einer tiefgründigen Sprache. „Be calm and count to seven“ von Ramtin Lavafipour fordert viel Konzentration – die beim ersten Sehen zu oft mit dem Lesen der Untertitel gefordert ist. Die Ruhe des Films, die Intensität der Farbgebung, die Charaktere der wortkargen Protagonisten kann man so richtig erst in der Wiederholung schätzen lernen.

Wir befinden uns auf einer Insel im iranischen Golf. Der 13-jährige Motu wartet auf die Rückkehr seines Vaters, der – wie die meisten hier – vom Schmuggel lebt und davon, Flüchtlinge mit dem Boot außer Landes zu bringen. Seit Tagen ist der verschollen – die Hoffnung schwindet, und während Motu ins Ausland telefoniert, um herauszufinden, wo der Vater geblieben ist, wässert seine Schwester, alter Tradition folgend, einen Baum, der den Verschollenen wieder zurückbringen soll.

Motu will – natürlich! – Fußballspieler werden. Doch gegen Ende des Filmes wird er in einem Anflug von Wut, Verzweiflung und Realismus seinen Ball ins Meer kicken – denn dem Meer gehört hier alles: Aus der glatten See tauchen – nach langem, bewegungslosem und stillem Warten – die nachts versenkten Schmuggelpakete wie aus den Nichts auf. Aus der See taucht Motu, nach langem, panischem Warten des Beobachters, wieder auf und hat eine Perlenmuschel gefunden – oben am Himmel fliegt ein Flugzeug und verhießt die Illusion von Freiheit. Die Polizei begrenzt diese Freiheit, weiß, was die Schmuggler tun, kontrolliert nur gelegentlich und ohne großes Engagement. Und in Wahrheit ist einer der Polizisten wohl vor allem an einer jungen Frau interessiert. Sie kämpfen alle mit dem Leben, gegen das Meer, um ihr Auskommen – die Schmuggler wie die Obrigkeit. Und weil Teile der Insel unter Naturschutz stehen, ist sogar das Abschlagen von Salz in den Höhlen an der Küste verboten und daher ein Wagnis, ein Aufbegehren, das schon die Kinder lernen.

Die stille, aber vom Daseinskampf geprägte Welt, die Lavafipour zeichnet, hat ihre Geheimnisse, und die will auch der Regisseur nicht preisgeben (siehe Interview weiter oben im Blog). Und sie hat ihre Gefühle, die nur schwer zu erkennen sind und nie ausgesprochen werden. Die Liebe des Polizisten zur Schmugglerin kann man nur ahnen, und warum sich eine Zuneigung zwischen dem älteren Schmuggler Mahmoud und dem halbwüchsigen Motu entwickelt, muss der Zuschauer selbst herausfinden. Beide, soviel steht fest, sind einsam und gescheitert, auch wenn sie nicht darüber sprechen. Ihre Zukunft bleibt im Ungewissen – sie werden wohl weiterkämpfen müssen. Und ob man den Film als eine Allegorie auf die politischen Verhältnisse im Iran verstehen darf – darüber darf man sich auch vom Regisseur keine Auskunft erhoffen. Lavafipour vertraut auf seine wunderbaren Bilder – zusätzliche Auskünfte mag er nicht geben. (fh, Filmfest-Blog Artikel vom 12.11.10)

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Andrang zum Endspurt

Volle Säle auch beim Kurzfilmwochene. Am (heutigen) Sonntag steht ab 19.30 Uhr im Mephisto die Prämierung des Wettbewerbssiegers für den Publikumspreis bevor. Am Samstag herrschte nochmals heftiger Andrang auf die beiden Wettbewerbsrollen 4 und 5. Erwin Schletterer, der Leiter der Kurzfilmtage, konnte wie in jedem Jahr viele Gäste präsentieren, die nach den Filmen auch auf Publikumsfragen antworteten. Allerdings konnten die Regisseure nicht jede Frage gleich im Anschluss an den Film beantworten – das hätte schlicht zu lange gedauert. Auch so schon war mit der letzten Kurzfilmrolle erst weit nach Mitternacht Schluss. Im Thalia-Kaffeehaus allerdings ging es dann noch lange weiter. Um 2 Uhr jedenfalls, als dem Blogger langsam die Augen zufielen, herrschte noch rege Diskussionsatmosphäre. (fh, Filmfest-Blog Artikel vom 24.10.10)

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Wie Robbys Opa die Verbrecher reinlegte

Joschua und Luca waren am Samstag beim Kinderfilmfest und durften danach mit ihren Mamas im Thalia-Café Popcorn essen. Beide sind große Fans von „Die kleinen Bankräuber“ – und besonders fasziniert hat sie neben dem Mut des kleinen Robby vor allem, wie dessen listiger Großvager die verbrecherischen Bankangestellten reingelegt hat: „Das Beste war, wie der Opa die ganzen Nägel auf die Straße gestreut hat“, findet der siebenjährige Joschua. Das verschaffte nämlich den Kindern und deren Familie ein bisschen Zeit, um sich auf dem Bauernhof zu verstecken. Zwar wurden sie dann trotzdem von den Verbrechern erwischt – doch Opa hatte einer weitere List ersonnen: „Ich fand's am lustigsten, wie der Verbrecher dann am Flügel der Windmühle gehangen hat“, findet deshalb Luca (5). Bei Kinofilme für Kinder dieses Alters ist das Happy End eben noch obligatorisch. Wohingegen die Parallelen zu Bankenskandalen und Wirtschaftskrise eher den Eltern aufgefallen sein dürften. Schade fand ein Erwachsener nach dem Film, dass in der lettisch-österreichischen Koproduktion nicht auch ein finsterer Stoiber mit einem misslungenen Bankenkauf vorkam. (fh, Filmfest-Blog Artikel vom 24.10.10)

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„Faustschlag“ macht Rassismus greifbar

Boxen ist nicht jedermanns Sache. Doch in Malte Olrogges elfminütigem Kurzfilm „Faustschlag“ ist man schnell auf der Seite des schwarzhäutigen Sportlers, der da mit seinem Trainer zu einem wichtigen Kampf nach Spanien fährt, unterwegs aber von der Polizei verhaftet wird, obwohl seine Papiere völlig in Ordnung sind. Der Zuschauer bangt un-willkürlich mit und hofft, dass sich der Boxer nicht dazu hinreißen lässt, den rassistischen Polizisten niederzuschla-gen, von dem er gedemütigt und bespuckt wird. Und ist wenige Schnitte später wiederum auf der Seite des Boxers, der, als alles geregelt ist und er zu seinem Kampf weiterfah-ren dürfte, sich die Boxhandschuhe überstülpt und zurück in die Polizeistation geht. „Schlag ihn nieder“, denkt man nun – und hat verstanden, wie schwer, wenn nicht unmög-lich es für die Betroffenen ist, rassistische Provokationen auf die leichte Schulter zu nehmen und den eigenen Stolz zu verstecken. Der Film endet an dieser Stelle, ohne zu verraten, was in der Polizeistation geschehen wird.

Olrogge wusste nach Präsentation seines Filmes noch langwierige Geschichten darüber zu erzählen, wie sein Super-8-Material den langen Weg von Spanien nach Deutschland und wieder zurück mit abenteuerlichen Um-wegen überstand. Der Film wurde in Spanien gedreht, als Olrogge dort für einen Filmvertrieb arbeitete. Beim an-schließenden Talk im Thalia-Café lernte der junge Deut-sche dann den iranischen Regisseur Ramtin Lavafipour kennen. Schon nach wenigen Worten erinnerte sich Lavafi-pour, dass er mit Olrogge genau in der Zeit, als der in Ma-drid arbeitete, schon gesprochen und Mails getauscht hatte. Er hatte ihn allerdings immer für einen Spanier gehalten. (fh, Filmfest-Blog Artikel vom 24.10.10)

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Sondermeldung Filmtage Augsburg - Little Alien - Nina Kusturica

Lust auf Wirklichkeit – heißt eine der Reihen der 22. Tage des unabhängigen Films.

Regisseurin Nina Kusturica kann zur deutschen Erstaufführung ihres Films "Little Alien" im Rahmen der Tage des Unabhängigen Films nur ganz kurz nach Augsburg kommen, (Donnerstag, 20:00). Die aktuellen Ereignisse in Österreich verlangen ihre schnelle Rückkehr.

Grund ist die Abschiebung von zwei achtjährigen Mädchen und weiterer Jugendlichen direkt aus dem Schulzimmer in den Kosovo in einer Hauruckaktion und die anschließenden Proteste in Österreich.
Aufgrund ihres Filmes "Little Alien" und ihres Engagements für diese Kinder und Jugendlichen ist sie besorgt, dass es auch einen ihrer Schützlinge treffen könnte.

Ihr Film "Little Alien" wird dadurch um so aktueller.

Weitere Infos hier: http://www.nachrichten.at/nachrichten/politik/innenpolitik/Inneres-Asyl-SPOe-Prammer;art385,485312

Ihrem Protagonisten Jawid Najafi wurde der Besuch der Filmtage von der österreichischen Ausländerbehörde untersagt.


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Janus und Jesse schließen Freundschaft, erleben Abenteuer und sammeln Froschlaich (links).
Constanze (rechts)

Froschlaich gegen Mandelentzündung

Constanze studiert in Augsburg Literaturwissenschaft, hat im letzten Jahr beim Filmfestival gearbeitet – und will ihren Nachnamen nicht verraten. Ist auch nicht so wichtig. Wichtig dagegen: Sie guckt sich viele Filme für Erwachsene an, ist aber auch Kinderfilm-Fan geworden. Unser Foto entstand nach dem Ende von „Frösche & Kröten“: Sein großer Bruder Max hat dem kleinen Janus eingeredet, er brauche für seine Genesung von der Mandeloperation dringend Froschlaich. Max büxt aus, um sich das glibberige Zeug zu besorgen, lernt unterwegs Jesse kennen, die beiden verbringen einen vergnüglichen und auch abenteuerlichen Tag in der Natur, wälzen sich im Schlamm, fliehen vor wilden Kühen, betrachten Fuchs & Hase, Igel & Spinne, und eben auch Frösche & Kröten ganz aus der Nähe und gelegentlich auch unter der Lupe – und freunden sich immer mehr an. Am Ende wird alles gut, es gibt ein Glas voller Froschlaich für den großen Bruder – und für alle, inklusive Eltern und Busfahrer, ganz viele Pfannkuchen auf der Wiese vor Omas Haus. Schöne Tier- Naturaufnahmen gepaart mit einer spannenden Geschichte – Constanze hat's genossen, die vielen Kinder auch.
(fh, Filmfest-Blog Artikel vom 21.10.10)

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Cecilie, ein sterbendes Mädchen – ein Engel im Norwegerpulli macht ihr den Abschied leichter.

Der Tod kommt auch zu Kindern

In „Wie durch dunkles Glas“ muss die 13jührige Cecilie sterben

Wie schön war das! Zu Hause in Norwegen erinnert sich die 13jährige Cecilie an den Urlaub im fernen, sommerlichen Spanien. Nun liegt sie krank im Bett – Cecilie hat Krebs, und bald werden ihre Eltern erfahren, dass sie unheilbar krank ist, dass ihr Leben sich rapide dem Ende zuneigt. Das ist nicht nur ein Kinderfilm, was der Norweger Jesper W. Nielsen nach einer Romanvorlage von Jostein Gaarder mit „Wie durch dunkles Glas“ gedreht hat. auch Erwachsenen kommen die Tränen bei diesem in keine Weise rührseligen, aber in jeder Weise bewegenden Filmdrama. Die harten, blauen Farben des Winters in Norwegen konfrontiert Jielsen mit den hellen spanischen Gelbtönen, das Leuchten der Jugend und der ersten Liebe mit den immer dunkler werdenden Farben des Todes.

Doch Cecilie erlebt ihren Tod nicht nur als Abschied, sondern auch als Neubeginn. Denn eines Nachts sitzt ein Engel an ihrem Bett: Ariel weiß wenig von der Welt der Irdischen und gibt noch weniger von seiner Welt preis. Aber er kann durch Wände gehen, fliegen, kann Cecilie ein letztes Mal zum Skifahren einladen, kann ihr Krankenbett auf einen Ausflug in die Wolken entführen. Während die Eltern sich von anfänglicher Fassungslosigkeit zum verständigen, gefassten Abschiednehmen durchringen, während Oma und Opa (gespielt von der wunderbaren Liv Ullmann) ihre letzten Besuche machen, fasst im fernen Spanien ein Jungen Mut und schreibt einen letzten Brief – und dann kann auch Cecilie an der Hand von Ariel durch die geschlossene Tür zuversichtlich weggehen. Herrliche Bilder, die den Zuschauer nur wenig über die Härte eines so frühen Todes hinwegtrösten können, ein Film aber, der nicht nur Kindern den Tod erklärt als den Weg ins Unbekannte, unfassbare – man möchte ihn jeder Familie empfehlen, die mit einer solchen Situation konfrontiert ist, aber auch jedem anderen möchte man ihn ans Herz legen.

Hansjörg Drexel war mit einer neunten Klasse der Pädagogischen Förderschule in Oberhausen, deren Konrektor er ist, ins Thalia gekommen – er hat den Film mit seinen Schülern gut vorbereitet, mit ihnen über Krankheit und Tod gesprochen, über Krebs und Strahlentherapie und darüber, dass niemand etwas dafür kann, wenn er von einer solchen Krankheit gepackt wird. Auch an seiner Schule, erzählt Twele, gebe es drei bis vier Krebsfälle pro Jahr – das Thema ist leider nicht weit hergeholt, der Tod kommt auch im richtigen Leben zu Kindern.

Filmpädagoge Holger Twele diskutierte den Film anschließend mit den Kindern – und traf auf ein überraschend gut vorbereitetes Publikum. Vom Verdrängten und Unterbewussten, dass im Schlaf zurück kommt, weil man am Tag nicht daran denken mag, hatten die Schüler schon gehört und konnten so auch die Erscheinung des Engels an Cecilies Krankenbett interpretieren. „Dann kommt in den Kopf, was ganz weit unten versteckt ist“, erklärt Twele, und das man deshalb im Film nicht immer genau wisse, was Realität sei, und was Cecilie sich erträume.

Und auch den Einwand, in den Film habe es „überhaupt keine Action“ gegeben, nimmt er gelassen: „Mit vielen Schnitten und ganz viel Action kann man nur bestimmte Geschichte erzählen – wenn's um die Zeit kurz vor dem Sterben geht, muss der Film ein langsames Tempo einschlagen. Dann weißt er noch drauf hin, dass der Film eine norwegisch-spanische Koproduktion ist – so etwas gebe es nur ganz, ganz selten. Und dass sich aus der Gegenüberstellung der beiden Länder, der verschiedenen Lichtverhältnisse und Farben die ganz spezielle Atmosphäre des Films ergebe. Und auch nach dieser Vorführung darf man sich einmal mehr wundern, mit welchem tiefen Interesse und mit wie viel Durchhaltevermögen sich die Kinder dem Thema nähern: Mehr als 100 Minuten hat der Film gedauert, und nach einer ganz kurzen Pause sitzen die Kinder nochmal eine halbe Stunde im dunklen Kinosaal, größtenteils interessiert, aufmerksam und geduldig. So etwas kann nicht jeder Film bewirken – schön, dass man auf dem Kinderfilmfest solche Kleinode sehen kann. (fh, Filmfest-Blog Artikel vom 21.10.10)


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Weltklasse-Jazz im Thalia

Der vitale Tenorsaxophonist Don Menza, geboren 1936 in Buffalo, New York, verbindet in seiner Spielweise die melodischen Qualitäten der Lester-Young-Schule mit der Bebop-Tradition. Sein zupackender und explosiver Stil hat vielen großartigen Besetzungen seinen Stempel aufgedrückt. Weltstars wie Maynard Ferguson, Stan Kenton, Buddy Rich, Louie Bellson Henry Mancini und 1964-68 auch Max Greger, haben den aus den USA stammenden Tenor-Giganten als herausragenden Solisten in ihren Ensembles vorgestellt. Mit Bernhard Pichl am Piano, Henning Sieverts am Bass und Harald Rüschenbaum an den Drums bringt er am Donnerstag, 21.10.10 ein einzigartiges Trio mit ins Kaffeehaus im Thalia am Obstmarkt. Um 20.30 Uhr beginnt das Konzert im Rahmen der Tage des Unabhängigen Films Augsburg – der Eintritt ist frei.

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Griesgram mit Baby: Clemente entdeckt in Daniel Vagas Film erst sehr spät,
dass auch er ein Gefühlsleben hat.

Eröffnung der Tage des Unabhängigen Films Augsburg vor vollem Saal

Politische und sonstige Grußworte blieben wie immer aus, als Filmfestival-Leiter Franz Fischer ironisch ins Publikum fragte, ob eventuell jemand eines loswerden wolle. Zeit wäre dazu auch wenig gewesen, denn nach der Vorstellung der wichtigsten Gäste und dem kurzen, aber heftig zuschlagenden Vorfilm „12 Jahre“ war das Publikum nun wirklich gespannt auf den Hauptfilm. Zur Eröffnung der „Tage des Unabhängigen Films Augsburg“ lief – in Anwesenheit des peruanischen Regisseurs Daniel Vega – der Film „Im Oktober werden Wunder wahr“. Und das Mephisto-Kino war voll bis zum Anschlag.

Clemente, der Pfandleiher in Lima, führt ein zurückgezogenes Leben, seine Sozialkontakte beschränken sich auf die armen Schlucker, die bei ihm ihren letzten Schmuck versetzen, und die Prostituierten, die er regelmäßig aufsucht. Im Küchenofen bewahrt er sein Vermögen auf, seine Mahlzeiten sind karg, die Möblierung seiner Wohnung ist spartanisch. Allerdings bleiben seine Besuche bei den Huren nicht folgenlos – eines Tages legt ihm eine von ihnen ein Baby in die Wohnung. Was tu? Clemente versucht es kurz alleine, dann stellt er seine Nachbarin als Kindermädchen ein. Mit der hält das Leben Einzug, doch Clemente entzieht sich dem weiterhin. Er redet weiter nichts, arrangiert sogar einen fingierten Überfall, will den Diebstahl seines Töchterchens vortäuschen, um das Baby dann irgendwo ab-zugeben. Seine Haushälterin aber kommt ihm zuvor und nimmt das Kind mit zu sich.

Dazwischen spielen sich auch noch teils lustige, teils traurige Begebenheiten rund um den Alltag Clementes und seiner Kinderfrau ab, fährt er nervös mit dem Taxi durch Lima, um die Mutter des Kindes zu finden, versucht er permanent, einen gefälschten Geldschein an den Mann oder die Frau zu bringen. Als allerdings das Kind verschwunden ist, sieht man Clemente ruhelos sich durch eine Bittprozession schlängeln – auf der Suche nach Kind und Babysitterin, darf man annehmen. Ob nun ein Wunder für ihn wahr wer-den wird, oder für die in ihn verliebte Kinderfrau, oder gar für beide – das bleibt offen.

Man bittet um „Kleinigkeiten“

Diese Prozession, erklärte anschließend Regisseur Daniel Vega dem Publikum, finde in Lima fünfmal pro Jahr statt. Man erbittet sich dabei allerdings keine großen Wunder, sondern „Kleinigkeiten“: ein Jahr länger zu leben zum Beispiel. Sieben Jahre hat Vega für den Film gebraucht, inspiriert hat ihn unter anderem Robert Bressons „Das Geld“ von 1983, „ein Drehbuch zu schreiben“, sagt er, sei „immer eine Suche. Doch auch der Dreh hatte es in sich: Die „Geburtstagsszene“ etwa, in der Clemente von seinen Gästen mit einer kleinen Party überrascht wird, die er stoisch über sich ergehen lässt – sie sei zwar seine Lieblingsszene geworden, man habe sie aber neunmal drehen müssen, bis der Luftballon im Hintergrund im richtigen Moment geplatzt sei. Das Baby im Film ist übrigens das Kind von damals 16jährigen Eltern – „die konnten das Geld gut brauchen“, erinnert sich Vega, und außerdem habe sich das Baby „gleich wie ein Schauspieler verhalten“ – was immer das bedeuten mag.

Was die Botschaft seines Filmes sei? Vega sagt, diese Ge-schichte habe „keine Moral“ – man könne aber herauslesen, „dass die Gelegenheiten, die das Leben anbietet“, nicht das Glück garantieren – man muss schon selbst was dafür tun. Teilweise seien seine Figuren „Karikaturen der Realität“ – leichte Übertreibungen eben, aber aus dem Leben gegriffen. Auf die Situation von Filmschaffenden in Peru angesprochen, berichtet der junge Regisseur, in seinem Land gebe es sieben Filmpreise, um die sich jeweils etwa 100 Projekte bewerben: „Man braucht Geduld, Glauben, Hartnäckigkeit, Dickköpfigkeit“, und ansonsten sei es wie immer im Leben: „Das einfachste ist es natürlich, ein Projekt von vorne her-ein bleiben zu lassen.“

Am Ende viel herzlicher Applaus für einen sehr sympathischen Regisseur und seinen berührenden, fröhlich-melancholischen Film. (fh, Filmfest-Blog Artikel vom 21.10.10)

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Babak braucht Hilfe und Solidarität – aber mit Ausnahme seiner körperlichen Handicaps ist er ein Kind wie alle anderen. Jugendliche Zuschauer verstehen die humane Botschaft des Films schnell.

Was Kinder im Kino lernen

Darf ein Vater so sehr unter seinem behinderten Kind leiden, dass er es vor einem Heim aussetzt? Diese Frage stellt der iranische Kinderfilm „Babak“ nicht. Regisseur Ebrahim Forouzesh geht in die Tiefe mit seinem ergreifenden Film, zeigt, wie die ganze Familie unter den zappeligen Bewegungen, der grimassierenden Mimik, dem sabbernden Mund von Babak leidet. Afshin wird auf dem Spielplatz wegen seines behinderten Bruders gehänselt, dem Vater erhält wegen der vielen Arzttermine die Kündigung, die Eltern streiten, die Kinder schlagen sich, die Situation gerät immer mehr außer Kontrolle – bis der Vater seine unmenschliche Verzweiflungstat begeht. Und später endlich Hilfe von außen kommt.

Doch hinter dem vordergründigen Aktionismus tut sich im Film auch anderes: Ein Klassenkamerad von Babaks Bruder beginnt, sich um den vor der Öffentlichkeit versteckten Jungen zu kümmern. Der ist körperlich gehandikapt, aber geistig fit – er denkt, der lernt, er fühlt. Und als er schließlich einmal heimlich in die Schule geht, kommt eine – positive – Lawine ins Rollen: Eine Lehrerin erkennt Babaks Potenzial, erklärt sich bereit, in zuhause zu unterrichten. Die Eltern sehen ein, dass Babak gefördert werden muss. Nur der große, eifersüchtige Bruder muss noch besänftigt werden – doch auch das gelingt dem frohgemuten, verzweifelt-mutigen Babak, hervorragend und bewundernswert glaubwürdig dargestellt von einem nicht behinderten Kind.

Der Plot ist nicht unbedingt realistisch, solch ein Happy End hält das wahre Leben selten bereit. Doch für Kinder bietet der Film Identifikationsmöglichkeit, Spannung – und viel zu lernen. Nebenbei ist er ein eindringliches Plädoyer für die Koedukation – den gemeinsamen Unterricht für behinderte und nicht behinderte Kinder. Nicht nur die jugendlichen Zuschauer, sondern auch die begleitenden Lehrer und Eltern sind sehr begeistert vom Angebot des Kinderfilmfestes, solche Filme mit einer pädagogischen Einführung und der Möglichkeit zur anschließenden Diskussion zu zeigen. Der Filmexperte und Kinderfilmpädagoge Holger Twele leitete beispielsweise nach der Vorführung von „Babak“ eine Diskussion, in der mancher Erwachsene überrascht war, wie tief die Kinder den Film verstanden hatte, wie viele interessierte Fragen sie zu stellen hatten, und wie ehrlich sie von ihren Gefühlen beim Film berichteten.

„Man musste weinen, das war sehr traurig“, erzählen sie. Und fragen und fragen. Und freuen sich nicht nur, dass der behinderte Babak einen Platz im Leben findet, sondern auch über die weitergehenden Erklärungen Tweles, der ihnen in einfachem Deutsch und ohne Fachbegriffe den „Erzählfluss“ und die „Bildsprache“ des Films erläutert und ihnen weitere Details mit sanftem Nachfragen nahebringt. Warum, zum Beispiel, ist es in der letzten Szene von „Babak“ plötzlich Winter, wo die Kinder doch gerade noch draußen in der Sonne gespielt haben? „Damit man merkt, dass jetzt viel Zeit vergangen ist“, hat eine kleine Zuschauerin erkannt – und damit auch gelernt, mit welchen Techniken Filme arbeiten, um Zeitsprünge zu überbrücken. Afshin konnte sich schließlich nicht von heute auf morgen mit seinem Bruder Babak versöhnen.

„Es ist schön, dass das so gut klappt“, freut sich Ellen Gratza, die Organisatorin des Kinderfilmfests. Man werde in der Werbung und den Programmheften beim nächsten Kinderfilmfest noch deutlicher auf dieses „begleitende pädagogische Programm“ hinweisen – das selbstverständlich kostenlos ist. (fh, Filmfest-Blog Artikel vom 21.10.10)

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Zählen auch nur die Beine? Die Litauerin Elzbieta Degutyte spielt im Kinderfilm „Der Balkon“ die Rolle der Emilija. Ob sie auch schon in anderen Filmen mitgespielt habe, wurde sie nach einer Vorstellung in Augsburg vom Publikum gefragt. Ja, antwortete sie, aber bei einem wisse sie nicht genau, ob man den mitzählen könne. Da seien nämlich nur ihre Beine zu sehen gewesen … (fh, Filmfest-Blog Artikel vom 20.10.10)

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Kinder willkommen. Geradezu „überrannt“ fühlt sich Ellen Gratza, die „Mache-rin“ des Augsburger Kinderfilmfests, in diesem Jahr. Besonders Schulklassen buchen die – teils recht anspruchsvollen – Filme zuhauf. „Babak“ zum Beispiel über einen behinderten iranischen Jungen, der sich seinen Platz in der Schule erkämpft, obwohl seinen Eltern ihn zunächst am liebsten vor der Welt verstecken würden. Oder der ebenfalls zu Tränen rührende Film „Wie durch dunkles Glas“, der vom langsamen, am Ende aber glücklichen Sterben der krebskranken Cecilie erzählt, vom Abschiedsschmerz von Eltern und Großeltern, vom letzten Verzeihen für den zurück bleibenden Bruder – und von dem Engel, der Cecilie den Weg in eine andere Existenz leichter macht. Aber natürlich gibt es auch die fröhlichen, leichten Stoffe für die Jüngeren: „Die kleinen Bankräuber“ etwa haben sich erwartungsgemäß zum „Renner“ des Kinderfilmfests entwickelt – nicht zuletzt wegen der Anwesenheit des extrem netten Hauptdarstellers Gustav Vilsons, „Frösche & Kröten“ und „Mein Freund Knerten“ kommen ebenfalls gut an. (fh, Filmfest-Blog Artikel vom 20.10.10)

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„Der Zuschauer hat immer recht“ -
Regisseur Ramtin Lavafipour im Interview

Regisseur Ramtin Lavafipour beim Interview im Thalia-Café (Foto: Frank Heindl).

Am vergangenen Montag lief auf den Tage des Unabhängigen Films Augsburg zum ersten Mal Ramtin Lavafipours Film „Sei ruhig und zähl bis sieben“. Der Regisseur ist nun zu Gast beim Filmfest, wird bei den folgenden Vorstellungen (Donnerstag, 22 Uhr, Freitag, 20 Uhr und Samstag, 22 Uhr) persönlich anwesend sein und Publikumsfragen beantworten. Frank Heindl sprach im Thalia-Café mit dem Iraner.

? Herr Lavafipour, ist es schwierig, im Iran Filme zu drehen?
Lavafipour: Ehrlich gesagt, das Filmemachen ist nirgend-wo auf der Welt einfach. Ich höre von Regisseuren, dass es auch hier schwierig ist: Das Publikum bevorzugt kommerzielle Filme. Vor 30 Jahren wurde am Anfang des Filmes ein Revolver gespannt und man hat 90 Minuten darauf gewartet, dass der Schuss fällt. Heute müssen gleich in der ersten Sekunde 300 Schüsse fallen und die Opfer rausgetragen werden.

? Ich habe jetzt eigentlich eher an politische Schwierigkeiten gedacht …
Lavafipour: Nein, in dieser Hinsicht habe ich keine Probleme.

? Gibt es Zensur im Iran?
Lavafipour: Sicherlich hat die Zensur im Iran ein anderes Vorgehen als in Europa. Aber Zensur gibt es überall. Zensur ist auf jeden Fall eine schlechte Sache – aber man muss zugeben, dass man durch sie manchmal auf sehr gute Ideen kommt.

? Kommen wir also zu Ihrem Film „Sei ruhig und zähl bis sieben.“ Er handelt auf einer Insel, wo die Menschen vom Schmuggel leben. Manchmal schmuggeln sie auch Flüchtlinge. Wohin fliehen diese Leute?
Lavafipour: Das weiß ich nicht. Ich habe ja diesen Ort auch nicht gesehen.

„Ich will vor dem Publikum nicht viel herumreden“

? Und warum fliehen sie?
Lavafipour: In erster Linie werden ja Waren geschmuggelt. Es gibt aber auch Menschen, die keine Ausreisegenehmigung erhalten – aus welchen Gründen auch immer. Vielleicht, weil sie Schulden haben. Aber vor allem geht es um Waren.

? Die Menschen in „Sei ruhig und zähl bis sieben“ sind äußerst wortkarg. Ist das typisch für Iraner?
Lavafipour: Die Iraner an sich sind keine schweigsamen Menschen. Die Art der Menschen in diesem Film resultiert aus der Art, wie ich Filme mache: Ich liebe das Bild. Ich will vor dem Publikum nicht viel herumreden – man soll zuschauen und nur das hören, was notwendig ist.

? Dafür hört man dann permanent das Meer rauschen.
Lavafipour: Das Meer ist das wichtigste Element dieses Filmes – es gibt das Leben und nimmt es wieder. Für die Menschen auf dieser Insel hängt das ganze Leben, auch ihr Überleben mit dem Meer zusammen.

? Wir sprechen nun fortwährend auf der inhaltlichen ersten Ebene ihres Filmes. Hat er auch eine weitere, möglicher-weise symbolische oder gar politische Botschaft?
Lavafipour: Ich denke, dass der Zuschauer immer recht hat. Der Film muss eine Beziehung zum Zuschauer aufbauen – aber ich bin ja nicht an den Film angebunden, der Film muss ohne mich auskommen, der Zuschauer auch. Dieser Film hat sicher viele Schichten – aber die gehören dem Zuschauer.

? Eine der Hauptpersonen hat einen permanent schmerzen-den Zahn – lässt ihn sich aber nicht ziehen. Wofür stehen diese Schmerzen?
Lavafipour: Mahmuds Leben ist durcheinander, die Beziehung mit seiner Frau ist problematisch. Es gibt ja oft Beziehungen im Leben, die feststecken, in denen nichts voran-vorwärts geht – aber wir schaffen es nicht, etwas zu verändern. Das ist die Situation von Mahmud: Er hat Schmerzen, will aber nicht zum Arzt gehen.

„Die Zuschauer sind nicht weniger intelligent als ich“

? Sie weigern sich also, Ihren Film zu interpretieren, Interpretationen zu diskutieren!
Lavafipour: Genau so ist es! Ich bin sicher, dass die Zu-schauer nicht weniger intelligent sind als ich. Sie können selber interpretieren, sie sehen ihre Version des Filmes, stellen ihre Vorstellungen neben meine. Der Zuschauer soll in all meinem Filmen als Schöpfer beteiligt sein. So kann sich der Film bei jeder Vorstellung und bei jedem Sehen weiterentwickeln.

? Ist „Sei ruhig …“ mit Profischauspielern entstanden?
Lavafipour: Nur der Fahrer Mahmuds ist Schauspieler. Das war sein zweiter oder dritter Film, mittlerweile hat er schon zehn bis zwölf gedreht. Die anderen sind Laien. Den jungen Darsteller von Motu habe ich auf der Straße kennen gelernt. Das muss ich erzählen: Er war damals 13 Jahre alt. Er hatte bis zum ersten Drehtag noch nie eine Kamera gesehen. Am zweiten Morgen hat er gleich gefragt, wie viele takes und wie viele shots er heute zu machen hat. Und ab dann hat er sich wie ein Profi verhalten. Als dann der erfahrene Schauspieler aus Teheran dazukam, habe ich den gebeten, sich gegenüber dem Jungen vorsichtig zu verhalten, um dessen tolles Selbstbewusstsein nicht zu zerstören. Er ging dann zu dem Jungen hin, kam aber schon nach einer Minute zurück. Ich habe ihn geschimpft: „Ich hab dir doch gesagt, du sollst vorsichtig sein!“ – „Ich war vorsichtig! Der Junge hat gesagt, aha, du bist der, den sie aus Teheran geschickt haben, um mit mir zu spielen. Der Junge hat mein Selbstbewusstsein völlig durcheinander gebracht!“

? Gibt es im Iran eine große Kinoszene?
Lavafipour: Bei uns werden pro Jahr etwa 120 Kinofilme, 250 Fernsehfilme und 2.500 bis 3.000 Kurzfilme gedreht. Und die Filmfestivals im Iran sind alle überfüllt, man kriegt sehr oft keinen Platz. Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Großstädten wie Teheran und Isfahan und der Provinz: Auf dem Land gibt es wenige oder keine Kinos.

Als nächstes ein Science-Fiction-Film

? Läuft Ihr Film zuhause auch in großen Kinos?
Lavafipour: Nein. Unabhängige Filme kommen auch bei uns nicht in große Kinos. Da gibt’s nur Filme, die mir nicht gefallen.

? Woran arbeiten Sie im Moment?
Lavafipour: Ich habe zwei Tage vor meiner Abreise im Iran einen Dokumentarfilm fertiggestellt, „Maybe tomor-row“ heißt er. jetzt kommt wieder ein Spielfilm – ein Science Fiction.

? Diesmal also ein Film für die großen Kinos?
Lavafipour: Ganz sicher nicht. Solche Filme mag ich nicht und werde ich nicht machen.

? Dann bedanke ich mich vielmals für das lange Gespräch!
Lavafipour: Sie haben hoffentlich gemerkt, dass ich nicht wie die Menschen in meinem Film bin – ich rede gerne! Ich würde mich aber auch noch gerne bei dem Festival hier bedanken. Die große Freundlichkeit und Offenheit hier hat mich überrascht. Hoffentlich missfällt das niemandem, was ich jetzt sage, aber ich wünsche mir, dass dieses Festival nicht größer wird! Es ist so genau richtig, so herzlich, so warm, dass man sogar die Temperatur draußen vergisst.

? War's denn in Teheran wärmer in den letzten Tagen?
Lavafipour: Als ich abgeflogen bin, waren es 28 Grad.

Ramtin Lavafipour ist noch bis Sonntag in Augsburg und fliegt dann direkt zum Filmfestival im spanischen Valladolid – er ist eingeladen, weil er dort im vorigen Jahr einen Preis bekommen hat.

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Mehrmals täglich.
Paul Vierke kam am Samstag gerade vom Einkaufen – seine Tüten wollte er allerdings nicht mit auf dem Foto haben. Vier Tickets erstand er am Schalter im Mephisto-Kino. Für sich allein. Ob er das jeden Tag so hält? „Man kann hier Filme sehen, die es sonst fast nie – oder gar nie – im Kino gibt. Deshalb gehe ich während der Filmfest-Tage so oft wie möglich ins Kino. Auch in den nächsten Tagen, am besten mehrmals.“ (fh, Filmfest-Blog Artikel vom 20.10.10)

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Abschlussfilm.
Erwin Schletterer, Leiter der Augsburger Kurzfilmtage (links), und Filmexperte Holger Twele diskutierten am Samstag nach „Suicide Club“ noch länger. Das Fazit war zunächst gemischt, nach dem zweiten Sehen am Sonntag korrigierte Twele sein Urteil nochmal deutlich nach oben: Die absurde Story über fünf sehr unterschiedliche Men-schen, die sich auf einem Hochhausdach zum gemeinsame Selbstmord verabredet haben, sei ein starkes Werk. Dass der Film die Spannung halten kann, obwohl die Handlung größtenteils auf dem sehr engen Raum des Hochhausdaches vor sich geht, sei allein schon eine große Leistung. Regisseur Olaf Saumer hat das Werk mit Mini-Etat als Abschlussarbeit seines Studiums an der Münchner Filmhochschule gedreht. Die Idee dazu stammt aus seiner Jugendzeit, auch Projekt und Drehbuch gab's schon lange – Twele benutzt das Beispiel „Suicide Club“ gerne, wenn ihn Kinder fragen, wie lange es dauert, einen Film zu machen: „Die eigentliche Produktion, selbst wenn sie ein halbes oder auch ein ganzes Jahr dauert, ist ein Klacks gegenüber den langwierigen Vorbereitungen, dem Schreiben des Drehbuchs, der Sicherstellung der Finanzierung und vielem mehr. Kein Wunder, dass viele Projekte auf der Strecke bleiben…“ Katja Götz, eine der Darsteller/innen von „Suicide Club“, ist noch für ein paar Tage Gast der Tage des Unabhängigen Films Augsburg. (fh, Filmfest-Blog Artikel vom 20.10.10)


Gleich geht’s weiter! Gerade ist im Mephisto-Kino „14 km – auf der Suche nach dem Glück“ gelaufen, doch Zeit für eine Pause bliebt nicht. Vorführer Martin Müller checkt kurz, ob mit dem nächsten Film alles in Ordnung ist, gibt per Mikrophon ein paar Kommandos nach draußen in den Saal – dann geht’s weiter, mit dem „Suicide Club“. Manchmal dauern die Diskussionen nach den Filmen länger – dann müssen sich diejenigen gedulden, die auf die nächste Vorführung warten. Das Festival-Publikum nimmt's gelassen, die Stimmung ist nicht nur in, sondern auch vor den Sälen hervorragend. (fh, Filmfest-Blog Artikel vom 20.10.10)

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Filmtage-Interview mit Festivalleiter Franz Fischer

Kino als Plattform für Toleranz und Weltoffenheit
Interview Franz Fischer stellt seit 25 Jahren die Filmtage auf die Beine. Er will Kultur für Alle machen und nicht nur Leuchttürme errichten. Quelle: Augsburger Allgemeine vom 15.10.2010.

Noch als Studenten organisierten Franz Fischer und Ellen Gratza im März 1985 die ersten Tage des unabhängigen Films. Das Festival ist weit über Augsburg hinaus zu einem Begriff bei Kinogängern und Filmemachern gleichermaßen geworden. Zum heutigen Start der Augsburger Filmtage 2010 unterhielt sich Alois Knoller mit dem Festivalchef.

Die Augsburger Filmtage sind in die Jahre gekommen: 28. Kinderfilmfest, 22. Tage des unabhängigen Films, 17. Kurzfilmwochenende. Was hält ein solches Festival jung?

Fischer: Kultureinrichtungen unterliegen einer großen Gefahr: Man altert im Lauf der Zeit gemeinsam mit dem Publikum, es entsteht quasi eine geschlossene Veranstaltung. Die Sektion Kinderfilmfest zwingt die Filmtagemacher alljährlich dazu sich mit den neuesten gesellschaftlichen Entwicklungen auseinanderzusetzen. Dies spiegelt sich deutlich in der Handschrift des Programms wider. Dies gilt auch für die übrigen Festivalsparten. Die Struktur der Filmtage ist außerdem geprägt von manigfaltigen Kooperationen: von den Stadtteilmüttern bis zum Jugendzentrum, von Pax Christi bis zur Sportjugend, von Elternbeiräten bis zu Selbsthilfegruppen. Und darüber hinaus gibt es viele Bürger dieser Stadt, die sich direkt mit Ideen, Programmvorschlägen aber auch mit aktiver Arbeit einbringen. Und nicht vergessen werden darf in diesem Zusammenhang die Politik: Ständige Kürzungen des Budgets und Auseinandersetzungen aller Art erhalten die geistige Beweglichkeit.

Gibt es dennoch ein Markenzeichen, ein Alleinstellungsmerkmal für die Augsburger Filmtage?

Fischer: Die Filmtage richten sich an die gesamte Stadtgesellschaft. Der etwas abgedroschene Begriff „Kultur für Alle“ gilt als Markenzeichen unserer Arbeit. Zu beobachten ist allerorten der Rückzug in den Elfenbeinturm. Kultur dient vielfach der Ausgrenzung, vornehm umschrieben mit Begriffen wie „Leuchtturmprojekt“ oder „Alleinstellungsmerkmal“. Der Außeneindruck ist wichtiger als ein nachhaltiger Entwicklungsprozess, der Spielraum für Experimente schwindet. Die Stadt interpretiert Kulturpolitik zunehmend als Mittel des Stadtmarketings und verkennt dabei, dass auch andere Städte ihre Mozarts und Fugger vorweisen können, die heißen halt dann Wagner oder Bach. Hier ist es wie im Fußball. Die Vereine mit den größten Budgets leisten sich die teuersten Spieler, Erfolg garantiert.

Könnte es sein, dass Augsburger Stadträte Sie nicht verstehen?

Fischer: Falls es so sein sollte: Solange uns das Publikum versteht, könnten wir mit diesem Problem leben.

Die Filmtage zeigen preisgekrönte Filme aus aller Welt. Bedeutet unabhängiger Film immer noch kritischer, unangepasster Film?

Fischer: Die künstlerische Freiheit ist das Maß aller Dinge. Ein Filmemacher im Iran oder in China sieht diesen Punkt etwas anders als etwa der Jungfilmemacher aus Hamburg.

Früher fühlte sich eher die linksalternative Szene von Ihrem Programm angesprochen. Wie wünschen Sie sich heute Ihr Publikum?

Fischer: Das Publikum ist so wie es ist. Neugierig, schwierig, apathisch, gebildet, engstirnig, der Welt zugewandt, zickig, freundlich . . .

Warum ist es Ihnen so wichtig, auch Migranten ins Kino zu holen?

Fischer: Migranten sind Teil der Lebenswirklichkeit dieser Stadt. Sie kommen nicht von einem Stern. Der Film „Little Alien“ im diesjährigen Programm zeigt diese Thematik in berührenden Bildern. Kino ist neben dem Fußballstadion vielleicht eine der wenigen Möglichkeiten, über alle Schichten hinweg Gemeinsamkeit zu erfahren.

In diesem Ziel haben Sie offenbar so richtig Ihre Mission entdeckt?

Fischer: Aufgewachsen in einem kleinen Dorf in den Westlichen Wäldern entwickelt man vielleicht schon früh
eine besondere Sensibilität für Themen wie Toleranz und Weltoffenheit. Die Kinoarbeit bietet hier eine hervorragende Plattform.

Früher bespielten die Filmtage alle möglichen Säle in der Stadt. Heute genügt das Kinodreieck. Sind Sie bescheidener geworden?

Fischer: Die Filmtage wurden von fünf auf insgesamt elf Tage Spieldauer erweitert, dafür wurden aus Budgetgründen die Spielstellen reduziert. Die neue Zeitstruktur mit Vorstellungen am früheren Abend entspricht den Wünschen unseres Publikums. Nicht zuletzt: Die Filme bekommen durch die Propaganda von Mund zu Mund innerhalb des Festivals erhöhte Aufmerksamkeit.

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"Der Balkon": Hauptdarstellerin und Produzentin im Interview.


„Der Balkon“: Jurga Gluskiniené (Produzentin) und Elzbieta Degutyte (Darstellerin der Emilija) sind zu Gast auf dem Augsburger Kinderfilmfest. (Foto: Dominik Sandler)

Von Dominik Sandler

Beim Kinderfilmfest lief am Freitag „Der Balkon“ an, ein litauischer Film über die Freundschaft zwischen zwei Nachbarskindern, die sich auf deren gemeinsamen Balkon entwickelt, wobei sich jedoch stets eine Wand zwischen ihnen befindet. Produzentin Jurga Gluskiniené und Hauptdarstellerin Elzbieta Degutyte (heute 13 Jahre alt) sind beim Kinderfilmfest zu Gast und werden noch bis Sonntag, den 17.10. für Publikumsfragen und Diskussionen zur Verfügung stehen. Dominik Sandler hat nach der Vorführung mit ihnen gesprochen.

? Die Hauptpersonen im Film sind zwei etwa 10jährige Kinder. Andererseits spielt der Film auch mit nostalgischen Elementen aus der Ostblock-Zeit. An welche Zielgruppe richtet sich denn der Film?

Jurga Gluskiniené: Wir haben vordergründig einen Kinderfilm gedreht. Allerdings kommen Liebesgeschichten aus drei Generationen vor. Dabei wird auch thematisiert, wie sich Beziehungen im Lauf der Zeit verändert haben. Seinen großen Erfolg in Litauen hat der Film auch der Tatsache zu verdanken, dass er zu Sowjetzeiten handelt. Erwachsene erinnern sich so im Kino an vergangene Zeiten zurück. Die ganze Familie fühlt sich also angesprochen.

Elzbieta Degutyte: Das Spiel zum Beispiel, bei dem die Protagonistin und ihre Freundinnen „Schätze“ vergraben, die die Jungen nicht finden dürfen, wurde von vielen Kindergenerationen gespielt. Meine Großeltern haben es gemacht, meine Eltern auch, ich allerdings nicht mehr so richtig.

Trotz großer Erfolge noch kein Verleih

? Sie sprachen vom Erfolg des Films in Ihrer Heimat. Wie sieht es in anderen Ländern aus? Haben Sie schon einen ausländischen Verleih gefunden?

Jurga Gluskiniené: Wir waren mit dem Film bereits auf etwa 15 internationalen Filmfestivals. Obwohl er gut ankommt und schon einige Auszeichnungen erhalten hat, ist es sehr schwierig, an einen Verleih zu kommen. Aber wir geben natürlich nicht auf... Anfang November hat der Film in Litauen außerdem seine Fernsehpremiere.

? Die Balkons der beiden Nachbarskinder sind durch eine Mauer voneinander getrennt, sodass sie trotz ihrer räumlichen Nähe nur eingeschränkt kommunizieren können. Schließlich gelingt ihnen ein Treffen, allerdings außerhalb der Stadt und damit weit entfernt von ihrem Zuhause. Als Deutscher fühlt man sich da an DDR-Zeiten erinnert, als sich manche durch die Mauer getrennte Familien nur in weit entfernten Ländern wie Ungarn oder Bulgarien treffen konnten.

Elzbieta Degutyte: Erstaunlich! Das war uns so nicht bewusst.

Jurga Gluskiniené: Dennoch gab es im Zusammenhang mit diesem Film auch ein interessantes Wiedersehen. Das Drehbuch wurde nach einer wahren Begebenheit geschrieben. Die Frau, die diese Geschichte erlebt hatte, hatte den Kontakt zu dem Jungen aber bald verloren. Über 20 Jahre später sah der allerdings den Film und erkannte sich wieder. Er stellte den Kontakt wieder her und heute sind die beiden wieder miteinander befreundet.

Requisiten aus der Ostblock-Zeit

? Schon bei der gestrigen Eröffnung zum Kinderfilmfest klang an, dass sich die Finanzierung von Kinderfilmen – zumindest in Deutschland – sehr schwierig gestaltet.

Jurga Gluskiniené: Das ist auch bei uns so. Die Mittel stammten teils aus öffentlichen Geldern, teils von privaten Partnern. Wir kamen mit einem relativ geringen Budget aus, nur so ließ sich der Film finanzieren.

Elzbieta Degutyte: Um die Requisiten aus der Ostblock-Zeit zu sammeln, mussten wir alle unsere Bestände durchsuchen. So haben wir uns auch mit unserer eigenen, privaten Vergangenheit beschäftigt. Der alte Teddy, mit dem ich im Film spiele, sitzt jetzt immer noch auf meinem Bett. Meinen Freunden sage ich, er ist Schauspieler.

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Diskussionen. Ein Beispiel für die an allen Orten des Festivals spontan entstehenden Diskussionsrunden: Am Freitagmittag, nach der Präsentation des iranischen Kinderfilms "Babak", stehen in Kinosaal noch für längere Zeit Mitglieder der Elternjury des Kinderfilmfest zusammen und diskutieren mit dem Filmjournalisten Holger Twele (ganz links, mit Julian Fischer, Bettina Koczian und Katja van Heyden). Die Erwachsenen hatten den Film zusammen mit einer fünften Klasse der Kapellenschule und deren Klassenlehrer Wilhelm Tröndle angesehen - und auch die Kinder hatten danach lebhaft und interessiert mit Holger Twele diskutiert. "Wieso ist Afshin so fies zu seinem behinderten Bruder?", hatte ein Schüler gefragt. - "Weil er sich schämt", war die Antwort einer Mitschülerin. Der Inhalt war bei den Kindern sehr gut angekommen - den sich schämenden Bruder kann man verstehen, Partei ergreifen muss man aber fü rden ausgegrenzten Babak, der wegen seiner Behinderung gehänselt wird.

"Man hat die Kinder ordentlich schniefen hören", berichtete eine der Erwachsenen im Anschluss - "und ich selbst hab auch ziemlich schniefen müssen." In der Tat geht der Film über den behinderten Babak sehr ans Herz, der sich seinen Platz im Leben hart erkämpfen muss, und der am Ende doch auch die Freundschaft seines "gesunden" Bruders erwirbt. Eine Lektion in Nächstenliebe und der Ablehnung von Vorurteilen, ein Plädoyer nebenbei auch für die Koedukation von Behinderten und nicht behinderten Kindern. Und die 11-Jährigen haben das sehr gut verstanden. (Eine ausführlichere Besprechung von "Babak" am Montag in der DAZ - www.daz-augsburg.de). (fh) - Foto: Frank Heindl.

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Iranisch? - Fehlanzeige!

Martina Sarafowa arbeitet schon zum dritten Mal bei den Augsburger Tagen des Unabhängigen Films. Wie heißt der Job, den sie da macht? Weiß sie auch nicht, aber "Einsprecherin" wäre vielleicht keine schlechte Bezeichnung. Am Freitagvormittag beispielsweise saß sie, beleuchtet von einem kleinen Lämpchen, im unteren Thalia-Saal am Rand der Sitzplätze und las die deutsche Übersetzung des iranischen Films "Babak" (eine ausführliche Besprechung von "Babak" am Montag in der DAZ
> www.daz-augsburg.de

Ob sie iranisch kann? Fehlanzeige, das nicht. Martina übersetzt, sie spricht "nur". Trotzdem heißt "Einsprecherin" nicht einfach ablesen. Die Studentin hat den Film schon vorher angesehen und den Text dazu geübt. Auch bei "Wie
durch ein dunkles Glas" und "Ich schwör's, ich war's nicht" hat sie "eingesprochen". Und genießt es nebenbei, gute Filme zu sehen. "Babak" hat ihr Gefühl bestätigt, "dass die iranischen Kinderfilme sehr gut sind." Der Film des Regisseurs Ebrahim Forouzesh sei "sehr menschlich" und "sehr ergreifend", findet sie. Und im Übrigen nicht gerade ein "typischer Kinderfilm." (fh) - (Foto: Frank Heindl).

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Manege frei, das Kinderfilmfest geht los! Eröffnungsfilm war „Die kleinen Bankräuber“ mit Gustav Vilsons in der Hauptrolle. Fotos von Dominik Sandler


 
Gleich geht's los: Die Kinderjury vor der Vorstellung – Charlotte, Carina und Julia sollen besonders auf den Ton im Film Acht geben.
Lutz Gräfe, „der Mann mit dem Hut“ stellt als Kinderfilmjournalist viele Filme vor, gibt Hintergrundinformationen und regt zu Diskussionen an.  


Eugen Bersenkowitsch unterhält das junge Publikum vor und nach der Vorstellung mit dem Akkordeon. Für „Eine Insel mit zwei Bergen“ oder „Versuch's mal mit Gemütlichkeit“ erntet er großen Applaus.


Applaus gab's später auch für Gustav Vilsons, den Hauptdarsteller in„Die kleinen Bankräuber“. Vor seinem Auftritt macht er noch Faxen mit seinen Eltern. Mit auf dem Bild: Die unerlässliche Dolmetscherin (Mitte).

 


Trubel nach der Vorstellung: Die Gäste lassen sich das Buffet schmecken.


Robert Kern vom Projekt Kinderchancen und Stadtrat Erwin Gerblinger sind mit dem Start des Kinderfilmfests voll zufrieden.

 

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Ellen Gratza. Letzte Vorbereitungen. Mal an der Kasse, mal in der Kneipe, mal im Gespräch mit Mitarbeitern - und dann mal schnell vor der Tür, weil's draußen scheppert und kracht: Ellen Gratza (rechts im Bild), "die Kinderfilmtante von Augsburg", wie sie sich selbst nennt, ist nicht nur "Tante", sondern mitunter auch "Mädchen" für alles. Auf dem Foto ist es Freitag gegen 13 Uhr.

Vor dem Thalia-Kino werden gerade letzte Vorbereitungen für die abendliche Eröffnung der 22. Tage des Unabhängigen Films in Augsburg getroffen. Das Gerüst dient zur Befestigung der Scheinwerfer, die später das Geschehen vor der Tür beleuchten sollen. Und darunter wurde dann auch der obligatorische rote Teppich ausgebreitet. Ein bisschen Glamour muss schon sein - aber auch ein bisschen Unterschied zu den üblichen "großen" Filmfestivals: In Augsburg gehen nicht nur die Gäste, nicht nur Regisseure, Produzenten und Schauspieler über den roten Teppich, sondern auch die Besucher. (fh) - (Foto: Frank Heindl).




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